Überblick
ASML Holding berichtet heute nach Börsenschluss die Zahlen für das zweite Quartal 2026. Das Timing ist nicht unerheblich: Der Kurs hat sich in den vergangenen Monaten auf ein KGV von rund 60 vorgearbeitet, Analysten haben ihre Kursziele reihenweise angehoben, und der Halbleiter-Equipment-Sektor läuft auf hohem Niveau. Die Messlatte liegt entsprechend hoch — nicht wegen eines schwachen Unternehmens, sondern wegen einer sehr ambitionierten Erwartungshaltung.
Analystenerwartungen
Der Konsens für das Q2-EPS liegt bei rund 6,9 bis 6,92 EUR, was gegenüber dem Vorjahresquartal einem Anstieg von etwa 17 Prozent entspricht. In US-Dollar rechnen Zacks und MarketBeat mit 7,98 USD EPS, was einem YoY-Zuwachs von über 75 Prozent entspricht — der Unterschied erklärt sich durch Wechselkurseffekte und unterschiedliche Basisperioden. Beim Umsatz liegt der Konsens nahe 9,0 Mrd. EUR; Tickeron nennt 9,03 Mrd. EUR, ein Substack-Preview 8,88 Mrd. EUR, JPMorgan etwas konservativer bei 8,7 Mrd. EUR. ASML selbst hatte eine Guidance von 8,4 bis 9,0 Mrd. EUR ausgegeben, mit einer Bruttomarge von 51 bis 52 Prozent. Der Markt preist also das obere Ende dieser Spanne ein.
Für das Gesamtjahr 2026 hat ASML die Guidance bereits zweimal angehoben, zuletzt auf 36 bis 40 Mrd. EUR Umsatz. Einige Analysten sehen Spielraum bis 41 Mrd. EUR. Eine weitere Anhebung heute Abend wäre der eigentliche Kurstreiber — ein Quartal, das nur die bestehende Guidance bestätigt, dürfte bei einem KGV von 60 kaum für Begeisterung sorgen.
Bewertungskontext
Die Marktkapitalisierung liegt bei rund 600 Mrd. EUR. Das KGV von etwa 60 ist für ein Industrieunternehmen außergewöhnlich hoch, aber ASML ist kein gewöhnliches Industrieunternehmen: Es ist der einzige Hersteller von EUV-Lithografieanlagen weltweit, und die Nachfrage nach High-NA-EUV-Systemen für die nächste Chip-Generation ist strukturell gebunden. Analysten wie Bank of America (Kursziel 2.345 USD) und JPMorgan (Kursziel 2.200 USD, Overweight) argumentieren, dass der Markt die Earnings Power für 2027 noch unterschätzt. Das EPS soll laut Konsens von rund 36,69 USD in 2026 auf 49,55 USD in 2027 steigen — das rechtfertigt hohe Multiples, solange das Orderbuch diese Zahlen trägt.
Was Anleger beachten sollten
Drei Punkte werden die Kursreaktion bestimmen. Erstens: Hebt ASML die Jahres-Guidance erneut an, oder bestätigt das Management nur die bestehende Spanne? Zweitens: Wie viele EUV-Tools sind für 2027 bereits fest eingeplant? JPMorgan sieht 90 Tools als moderat positiv, über 90 als klaren Impuls. Bank of America geht davon aus, dass das 2027-Orderbuch weitgehend gefüllt sein könnte — sollte das Management das bestätigen, wäre das ein starkes Signal. Drittens: China. Exportrestriktionen sind ein bekanntes Risiko, aber der Ton des Managements zu Timing und Substitutionseffekten kann die Stimmung kurzfristig kippen. Ein konstruktiver Ausblick hier dämpft Bedenken; jede Andeutung weiterer Einschränkungen tut das Gegenteil. Die Bruttomarge von 51 bis 52 Prozent ist im Konsens bereits eingepreist — eine Überraschung nach oben wäre ein Bonus, aber kein Hauptthema.
