Montag, 8 Uhr: Die EZB veröffentlicht gleichzeitig den Survey of Monetary Analysts und den Survey of Professional Forecasters. Zwei Umfragen, ein Signal — der Einlagensatz bleibt mittelfristig bei rund 2 %, weitere Lockerungen sind vorerst vom Tisch. Morgan Stanley hatte das bereits im März so eingepreist: steigende Energiepreise durch die Nahost-Krise halten die Eurozone-Inflation über dem 2-%-Ziel, eine Senkung vor 2027 ist unwahrscheinlich. Das ist kein Schock, aber es ist eine Bestätigung, die den Euro in einer unbequemen Position lässt.
Makro der Woche im Überblick
- EZB-Umfragen signalisieren Zinspause: Sowohl Geldmarktanalysten als auch professionelle Prognostiker sehen den Einlagensatz stabil bei 2 %. Stagflationäre Drücke aus dem ECB-Bankkreditumfrage Q1 2026 stützen diese Einschätzung.
- Sentix-Stimmung verschlechtert sich weiter: Der Konsens für den Sentix Investors Sentiment vom Montag liegt bei -20,9 nach zuvor -19,2. Die Richtung ist klar, und sie ist abwärts.
- US-Arbeitsmarkt als Wochenhöhepunkt: Der Nonfarm Payrolls-Report am Freitag (Konsens: 73.000 nach 178.000) ist das Datenereignis mit dem größten Marktpotenzial — und der größten Unsicherheit.
Zahlen kompakt
Konkrete Echtzeitwerte für EZB-Leitzins, Eurozone-HICP und deutsches BIP liegen aus den EODHD-Daten diese Woche nicht vor. Was wir wissen: Der Einlagensatz wurde zuletzt auf 2,0 % gesenkt, und die Eurozone-Inflation bewegt sich laut EZB-Umfragen noch oberhalb des Ziels. Der Ölpreis (Brent bei rund 83,81 USD) bleibt ein Aufwärtsrisiko für die Kerninflation. Auf der US-Seite zeigen die Konsensschätzungen für die Stundenlöhne am Freitag +0,3 % MoM und +3,6 % YoY — das ist nicht dramatisch, aber auch nicht das, was die Fed braucht, um schnell zu lockern.
Was bedeutet das für Anleger
Aktien: Europäische Industriewerte und Exporteure leiden doppelt — schwache Binnennachfrage (Sentix, ifo-Kontext) trifft auf einen Euro, der sich gegenüber dem Dollar kaum erholt. Energieversorger und Ölwerte profitieren kurzfristig vom Ölpreisanstieg, aber das ist ein zweischneidiges Schwert, wenn die Inflation dadurch oben bleibt.
Renten: Stabile EZB-Zinsen bei 2 % bedeuten, dass der kurze Teil der Bundkurve wenig Bewegung sieht. Der lange Teil hängt an den US-Daten vom Freitag. Ein schwacher Payrolls-Report würde Treasuries stützen und Bunds mitziehen.
Währungen: EUR/USD bleibt unter Druck, solange die EZB keine Lockerungssignale sendet und die Fed ebenfalls wartet. Der USD-Index profitiert von der Unsicherheit. CHF ist in diesem Umfeld die ruhigere Alternative für defensiv orientierte Anleger.
Ausblick auf die Börsenwoche
Montag, 4. Mai: EZB-Umfragen (08:00), Sentix -20,9 erwartet (08:30), Eurogroup Meeting (10:00), EZB-Reden Cipollone und De Guindos, US Factory Orders (Konsens +0,4 %, 14:00), Fed Williams (16:50).
Dienstag, 5. Mai: EcoFin Meeting, EZB-Präsidentin Lagarde spricht (12:30), US-Handelsbilanz (Konsens -59 Mrd. USD), ISM Services PMI (Konsens 53,8 nach 54,0), JOLTs Job Openings (Konsens 6,87 Mio.).
Mittwoch, 6. Mai: Eurozone PPI (Konsens +3,3 % YoY nach -0,7 %), ADP Employment Change USA (Konsens 79.000 nach 62.000), mehrere Fed-Reden.
Donnerstag, 7. Mai: Deutsche Auftragseingänge (Konsens +1,1 %), US Initial Jobless Claims (Konsens 199.000), Nonfarm Productivity und Unit Labour Costs, Consumer Inflation Expectations (Konsens 3,6 %).
Freitag, 8. Mai: Das Highlight der Woche — US Nonfarm Payrolls (Konsens 73.000), Arbeitslosenquote stabil bei 4,3 % erwartet, Michigan Consumer Sentiment (Konsens 49,5) und Michigan Inflation Expectations (Konsens 4,9 %). Dazu deutsche Handelsbilanz und Industrieproduktion sowie mehrere EZB- und Fed-Reden.
Norberts Einordnung
Die EZB sitzt in einer klassischen Klemme: Inflation zu hoch für Senkungen, Wachstum zu schwach für Gelassenheit. Der Sentix unter -20 ist kein Ausreißer mehr, sondern Normalzustand — und das ist das eigentlich Beunruhigende. Der Freitags-Payrolls wird zeigen, ob der US-Arbeitsmarkt wirklich so stark abkühlt wie die Konsensschätzung von 73.000 andeutet. Wenn ja, dreht sich die Dollar-Stärke schnell — und der Euro bekommt etwas Luft, ohne dass die EZB einen Finger rühren muss.
