
Am 13. Oktober 2026 legt Goldman Sachs vor Börsenbeginn seine Zahlen für das dritte Quartal vor. Der Analystenkonsens liegt bei 15,18 USD je Aktie, einige Datenanbieter sehen sogar 15,39 USD. Beim Umsatz reichen die Schätzungen von 17,09 bis 17,42 Mrd. USD. Gegenüber dem Vorjahresquartal, in dem Goldman 15,18 Mrd. USD Umsatz und einen deutlich niedrigeren Gewinn auswies, wäre das ein EPS-Anstieg von rund 24 bis 26 Prozent.
Analystenerwartungen
Der Konsens ist breit, aber nicht einheitlich. Zacks und Barchart bestätigen die 15,18 USD, ScanX rechnet mit 15,39 USD. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet Zacks einen Umsatz von rund 71,6 Mrd. USD, was einem Wachstum von knapp 23 Prozent entspräche. Der Gewinn soll 2026 um rund 34 Prozent zulegen, bevor sich das Tempo 2027 auf etwa 5 Prozent verlangsamt. Die Analystenstimmung ist überwiegend „Hold” mit einzelnen „Strong Buy”-Einstufungen — positiv, aber nicht euphorisch.
Bewertungskontext
Goldman Sachs gehört zu den teurer bewerteten Großbanken. Das Kursziel-Spektrum ist weit: HSBC hob sein Ziel auf 1.007 USD an, Wells Fargo und BMO Capital reduzierten ihre Ziele dagegen. Das zeigt, dass der Markt die strukturelle Stärke des Hauses anerkennt, kurzfristig aber vorsichtiger geworden ist. Ein Kursrückgang von rund 4 Prozent nach der Warnung der Bank of America vor stagnierenden Trading-Erlösen hat das bereits abgebildet.
Was Anleger beachten sollten
Das eigentliche Thema dieses Quartals ist der Widerspruch zwischen zwei Geschäftsbereichen. Das Investment Banking läuft stark: Im ersten Halbjahr 2026 stiegen die Advisory-Erlöse um 46 Prozent auf 2,87 Mrd. USD, Equity-Underwriting legte um 90 Prozent zu, Debt-Underwriting um 37 Prozent. Im zweiten Quartal lagen die Investment-Banking-Gebühren 55 Prozent über dem Vorjahr.
Gleichzeitig hat Goldman-CEO David Solomon selbst eingeräumt, dass das FICC-Geschäft im dritten Quartal etwas schwächer ausgefallen ist. Morningstar kalkulierte mit einem sequenziellen Rückgang der FICC-Erlöse um 11 Prozent. Bank of America warnte, dass die gesamten Sales-&-Trading-Erlöse in Q3 ungefähr auf Vorjahresniveau stagnieren könnten. Hinzu kommen höhere Kosten — Vergütung, Technologie, Personal — die die Margenqualität belasten könnten, selbst wenn die Topline stimmt.
Dealogic-Daten zeigen zudem, dass das weltweite Investment-Banking-Volumen bis Mitte September bei 21,2 Mrd. USD lag, gegenüber 23,8 Mrd. USD im Vorjahreszeitraum. Das dämpft die Erwartungen an eine weitere Beschleunigung im Beratungsgeschäft.
Ein EPS-Beat allein wird die Aktie kaum bewegen. Entscheidend ist die Kombination: Wie stark war FICC wirklich? Wie entwickeln sich die Kosten? Und was sagt das Management zum vierten Quartal? Wer nur auf die 15,18 USD schaut, sieht nur die halbe Geschichte.
der aktien.live-Redaktion
Goldman Sachs läuft auf zwei Motoren — und einer stottert. Das Investment Banking lieferte im ersten Halbjahr 2026 starke Zuwächse: Advisory-Erlöse stiegen um 46 %, Equity-Underwriting sogar um 90 %. Doch CEO Solomon räumte selbst ein, dass das Handelsgeschäft in Q3 schwächer lief. Ein KGV von 13,7 ist bei 16 „Hold"-Ratings kein Schnäppchen — die Bewertung setzt intakte Ertragskraft in beiden Bereichen voraus.
Diese Einschätzung gibt die persönliche Meinung der Redaktion wieder und stellt keine Anlageberatung oder Kauf-/Verkaufsempfehlung dar.
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