Morgen nach Börsenschluss, am 15. April 2026, legt die Formycon AG (FYB.XETRA) ihre Zahlen für das erste Quartal 2026 vor. Für das Münchner Biotechunternehmen steht dabei mehr auf dem Spiel als nur ein einzelnes Quartal – es geht um den Beweis, dass die Umsatzrampe im Biosimilar-Geschäft tatsächlich Fahrt aufnimmt.
Analystenerwartungen: Erster Lichtblick beim EPS
Der Analystenkonsens erwartet für Q1 2026 ein EPS von 0,28 EUR – ein bemerkenswerter Wert, wenn man bedenkt, dass das Trailing-Twelve-Months-EPS noch bei -9,67 EUR liegt. Beim Umsatz geht die einzige vorliegende Schätzung von rund 18 Mio. EUR aus. Zum Vergleich: Im dritten Quartal 2025 erzielte Formycon lediglich 10,5 Mio. EUR Umsatz. Ein deutlicher Sprung wäre damit erforderlich – und durchaus im Bereich des Möglichen.
Für das Gesamtjahr 2026 rechnen acht Analysten im Mittel mit einem Umsatz von 86,34 Mio. EUR, nach bestätigten 54,17 Mio. EUR in 2025. Der entscheidende Treiber: die Markteinführung von FYB202 (Ustekinumab-Biosimilar zu Stelara) sowie die Wiederaufnahme der US-Verkäufe von FYB201 (Ranibizumab) durch Lizenzpartner Sandoz nach temporärem Stopp.
Bewertungskontext: Günstig – aber mit Grund
Die Marktkapitalisierung liegt aktuell bei rund 300 Mio. EUR. Ein klassisches KGV lässt sich bei negativem TTM-EPS nicht sinnvoll berechnen. Anleger bepreisen Formycon derzeit als Wachstumsstory auf Vertrauensbasis – und das zu einem Kurs, der deutlich unter den Kurszielen der Coverage-Analysten liegt: Warburg sieht fair value bei 56 EUR, RBC bei 51 EUR, Berenberg bei 42 EUR, alle mit Kauf-Empfehlung.
Was Anleger morgen im Auge behalten sollten
- FYB202-Lizenzeinnahmen: Seit März 2026 fließen erste Einnahmen aus dem Stelara-Biosimilar. Wie hoch fällt der Q1-Beitrag aus?
- FYB201-Wiederanlauf in den USA: Sandoz hat die Verkäufe wieder aufgenommen – spiegelt sich das bereits in Q1 wider?
- Bestätigung der Jahresprognose: Die vorläufigen FY2025-Zahlen wurden im März veröffentlicht. Managementaussagen zur FY2026-Guidance werden genau beobachtet.
- Pfad zur Profitabilität: EBIT soll 2026 noch bei -15,28 Mio. EUR liegen, ab 2027 mit +39,51 Mio. EUR ins Positive drehen. Jede Abweichung nach oben oder unten wird den Kurs bewegen.
Norberts Einordnung
Formycon ist keine klassische Value-Aktie – sie ist eine Wette auf den richtigen Zeitpunkt der Biosimilar-Monetarisierung. Die Analystenunterstützung ist bemerkenswert breit und konsistent bullisch, doch der Markt hat das Unternehmen zuletzt mit einer gehörigen Portion Skepsis bepreist. Wenn FYB202 und FYB201 gemeinsam in Q1 liefern, könnte diese Skepsis schnell teuer werden für alle, die nicht investiert sind.
