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Marktbericht
4 min

Freeport-McMoRan +16,9 % in vier Wochen — aber Candelaria verdoppelt sich, und BR01 verliert fast alles

Stellen Sie sich eine Waage vor, bei der auf einer Seite ein solider Granitblock liegt und auf der anderen Seite Sand, der langsam durch die Finger rinnt. Beide Seiten gehören zum selben Material — aber das Ergebnis könnte nicht unterschiedlicher sein. Genau das sehe ich gerade im Grundstoffsektor: robuste Blue Chips auf der einen Seite,…

Stellen Sie sich eine Waage vor, bei der auf einer Seite ein solider Granitblock liegt und auf der anderen Seite Sand, der langsam durch die Finger rinnt. Beide Seiten gehören zum selben Material — aber das Ergebnis könnte nicht unterschiedlicher sein. Genau das sehe ich gerade im Grundstoffsektor: robuste Blue Chips auf der einen Seite, zerfallende Nebenwerte auf der anderen.

Was der Makro-Rahmen gerade bedeutet

Deutschland schrumpft. Das BIP liegt bei -0,5 % — kein freier Fall, aber ein klares Minus. Die Industrieproduktion zeigt im Jahresvergleich +25,6 %, was auf den ersten Blick stark klingt. Dieser Wert spiegelt aber vor allem den Basiseffekt aus einem schwachen Vorjahr wider, nicht einen echten Boom. Die Inflation bei 2,3 % ist beherrschbar. Die Arbeitslosigkeit bei 3,4 % ist niedrig.

Für den Grundstoffsektor bedeutet das: Die Nachfrage aus der deutschen Industrie bleibt verhalten. Rohstoffpreise werden weniger von heimischer Konjunktur getrieben als von globalen Faktoren — China-Nachfrage, Energiepreise, geopolitische Spannungen im Nahen Osten. Genau diese Faktoren haben in den letzten Wochen für Bewegung gesorgt, wie auch die Marktberichte von tagesschau.de und finanzen.net zeigen.

Sektorperformance: 78,7 Punkte Vorsprung auf den DAX

Der Grundstoffsektor liegt mit einem durchschnittlichen Momentum von 79,2 % und einer relativen Stärke von 78,7 Prozentpunkten gegenüber dem DAX weit vorne. Der DAX selbst legte in vier Wochen nur +1,7 % zu, in 13 Wochen +5,0 %. Das ist eine deutliche Schere.

Ich sage das aber mit einem Vorbehalt: Diese Zahlen werden stark von Ausreißern verzerrt. Candelaria Mining mit +100 % in vier Wochen zieht den Sektordurchschnitt nach oben. Ohne diesen Ausreißer sähe das Bild moderater aus. Wer den Sektor pauschal als „stark” einstuft, übersieht, dass die Streuung enorm ist.

Blue Chips: Freeport-McMoRan und Glencore

Freeport-McMoRan (FPMB) ist einer der weltgrößten Kupferproduzenten — ein Unternehmen, das direkt von der Elektrifizierung und dem Infrastrukturausbau profitiert, weil Kupfer in Kabeln, Motoren und Batterien steckt. Der Kurs legte in vier Wochen +16,9 % zu, in 13 Wochen +16,0 %. Das ist solide, nicht spektakulär.

Interessant wird es bei der Bewertung. Das KGV — also wie viele Jahre Gewinn man zum aktuellen Kurs bezahlt — liegt bei 37,7. Der Sektor-Median liegt bei 234,7. Das ist kein Tippfehler. Freeport ist damit gemessen am Sektor außergewöhnlich günstig bewertet. Das EV/EBITDA — das Verhältnis von Unternehmenswert zu operativem Gewinn vor Abschreibungen — liegt bei 11,2, der Sektor-Median bei 12,7. Auch hier: leicht unter dem Median, also moderat bewertet.

Der EPS — also der Gewinn je Aktie — liegt bei 1,63 EUR. Revisionsdaten fehlen leider. Das ist eine Datenlücke, die ich nicht schönreden will. Ohne zu wissen, ob Analysten ihre Gewinnschätzungen gerade nach oben oder unten anpassen, bleibt die Bewertungseinschätzung unvollständig. Ich sehe Freeport als solide positioniert, aber ich würde vor einem Einstieg auf aktuelle Analystenschätzungen achten.

Glencore (8GC) ist ein Rohstoffhändler und -produzent mit breitem Portfolio — von Kupfer über Kobalt bis zu Kohle. Der Kurs stieg in vier Wochen +6,6 %, in 13 Wochen +8,1 %. Ruhiger als Freeport, aber im positiven Bereich.

Das KGV von 234,7 entspricht exakt dem Sektor-Median — Glencore ist also weder teuer noch günstig relativ zum Sektor. Das EV/EBITDA liegt ebenfalls genau am Median bei 12,7. Der EPS beträgt 0,03 EUR — sehr niedrig, was erklärt, warum das KGV so hoch ist: Ein kleiner Gewinn trifft auf einen großen Börsenwert. Das ist kein Alarmsignal per se, aber es zeigt, dass Glencore gerade in einer Erholungsphase steckt, nicht in einer Gewinnhochphase. Auch hier fehlen Revisionsdaten.

Nebenwerte: Candelaria und BR01 — ein extremes Paar

Hier muss ich direkt sein: Die Datenlage bei beiden Nebenwerten ist dünn. Kein Kurs, kein RSI, kein KGV, keine Umsatzdaten, keine Marktkapitalisierung. Was ich habe, sind Kursbewegungen — und die sind extrem.

Candelaria Mining Corp (29LN) hat in vier und 13 Wochen jeweils +100 % zugelegt. Das EV/EBITDA liegt bei 15,1, leicht über dem Sektor-Median von 12,7. Eine Verdoppelung in kurzer Zeit bei einem kleinen Bergbauunternehmen kann viele Ursachen haben: ein Übernahmeangebot, ein Ressourcenfund, eine Lizenzerteilung. Ohne diese Information ist die Zahl allein kein Kaufsignal. Ich würde hier nicht einsteigen, bevor ich den Grund für die Bewegung kenne.

BR01 verlor in vier Wochen -33,3 %, in 13 Wochen -71,4 %. Keine Bewertungsdaten, keine Marktkapitalisierung, kein Umsatz. Das ist kein Nebenwert, den ich analysieren kann — das ist eine Warnung. Wer hier investiert ist, sollte die Position kritisch prüfen. Ich kann keine These aufstellen, weil die Datenbasis fehlt.

Sentiment: Keine Divergenzsignale — aber auch keine Orientierung

Für diesen Sektor liegen keine Sentiment-Daten vor — weder für die Blue Chips noch für die Nebenwerte. Das ist ungewöhnlich und schränkt die Analyse ein. Ich kann nicht sagen, ob der Markt optimistisch oder pessimistisch auf die Kursgewinne reagiert. Für Freeport und Glencore würde ich empfehlen, Analystenstimmen bei FinanzNachrichten.de oder finanzen.net im Blick zu behalten — ähnlich wie bei Wacker Chemie, wo die DZ Bank zuletzt mit einer klaren „Verkaufen”-Einstufung für Aufmerksamkeit sorgte.

Fazit: Selektiv vorgehen, nicht dem Sektor-Durchschnitt vertrauen

Der Grundstoffsektor schlägt den DAX derzeit deutlich — aber dieser Vorsprung ist ungleich verteilt. Freeport-McMoRan bietet ein KGV weit unter dem Sektor-Median und solides Momentum. Das ist eine Kombination, die ich mir genauer anschauen würde. Glencore läuft ruhiger, ist fair bewertet, aber der niedrige EPS mahnt zur Geduld.

Die Nebenwerte zeigen, was im Grundstoffsegment schiefgehen kann: BR01 hat in 13 Wochen fast drei Viertel seines Wertes verloren. Candelaria hat sich verdoppelt — aber ohne Erklärung ist das kein Fundament für eine Entscheidung.

Meine Empfehlung: Beobachten Sie bei Freeport-McMoRan die nächsten Analystenschätzungen zum EPS. Wenn die Revisionen positiv sind, wird die günstige Bewertung zum echten Argument. Die Waage mit dem Granitblock hält — aber nur, wenn das Fundament stimmt.

Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar.

Einschätzung
Redaktionelle Einordnung
der aktien.live-Redaktion
Team Sesselmann

Freeport-McMoRan ist der klarste Name im Sektor: KGV 37,7 bei einem Sektor-Median von 234,7, EV/EBITDA leicht unter Median, Kursmomentum +16,9 % in vier Wochen. Solange die Kupfernachfrage durch Elektrifizierung und Infrastruktur gestützt bleibt, ist die Bewertung attraktiv. Ich halte — und warte auf positive EPS-Revisionen als Bestätigung.

Diese Einschätzung gibt die persönliche Meinung der Redaktion wieder und stellt keine Anlageberatung oder Kauf-/Verkaufsempfehlung dar.

Quellen & Fußnoten
  1. Marktberichte – tagesschau.de
  2. Marktübersicht – finanzen.net
  3. Analystenupdates und Rohstoff-News – FinanzNachrichten.de

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