Shell berichtet heute nach Börsenschluss die Ergebnisse für das erste Quartal 2026. Der Analystenkonsens liegt beim EPS bei 1,06 USD, wobei Piper Sandler zuletzt deutlich optimistischer war und die eigene Schätzung auf 2,36 USD angehoben hat — mit einem EBITDA-Ziel von 17,1 Mrd. USD. Für das Gesamtjahr 2026 rechnen 26 bis 28 Analysten im Schnitt mit 4,89 USD EPS.
Analystenerwartungen
Der Konsens unter 26 Analysten lautet „Moderater Kauf”: 13 bis 14 Buy-Ratings, 12 bis 13 Hold, kein einziges Sell. Das durchschnittliche Kursziel liegt in EUR bei 36,44 Euro, was einem Aufwärtspotenzial von rund 9,6 % gegenüber dem letzten Schlusskurs von 33,25 Euro entspricht. Berenberg, Jefferies und Barclays haben ihre Kursziele zuletzt auf 4.100, 4.400 und 4.500 Pence angehoben und bestätigen Buy- bzw. Overweight-Einstufungen. UBS bleibt mit Neutral und 3.850 Pence skeptischer — und warnt explizit vor Cashflow-Schwäche durch Betriebskapitalaufbau.
Bewertungskontext
Das aktuelle KGV liegt bei 14,46, berechnet auf Basis eines TTM-EPS von 2,57 USD. Bei einer Marktkapitalisierung von rund 207 Mrd. Euro ist das für einen integrierten Ölkonzern dieser Größe keine Überbewertung — aber auch kein offensichtliches Schnäppchen, solange der Ölpreis volatil bleibt. Die EBITDA-Marge für 2026 wird im Konsens auf 19,53 % geschätzt, Berenberg liegt dabei 14 % über dem Marktschnitt.
Was Anleger beachten sollten
Das Q1-Bild ist gespalten. Die Integrated-Gas-Sparte hat gelitten: Die Produktion lag bei geschätzten 880 bis 920 kboe/d, nach 948 kboe/d im Vorquartal, weil die Qatari-Pearl-Anlage durch den Nahost-Konflikt beschädigt wurde. Auf der anderen Seite haben asiatische LNG-Spotpreise zeitweise das Doppelte erreicht, Raffineriemargen lagen bei 17 USD pro Barrel, und das Öl-Trading lief stark. Chemie und Vertrieb übertrafen ebenfalls die Erwartungen.
Der Widerspruch ist real: Analysten heben die Gewinnschätzungen an, gleichzeitig warnt UBS vor einem negativen Cashflow-Effekt durch Betriebskapitalzuwachs und steigender Nettoverschuldung. Wer heute Abend nur auf das EPS schaut, könnte die entscheidende Zahl verpassen. Der freie Cashflow und die Guidance zur Dauer der Nahost-Ausfälle dürften die Kursreaktion stärker bestimmen als das Headline-EPS.
