Wer die letzten Wochen bei Teradyne verfolgt hat, weiß: Der Kurs ist nicht wegen fundamentaler Neuigkeiten des Unternehmens gestiegen. Am 25. Juni schloss die Aktie bei einem Rekordhoch von 471,96 USD, ein Plus von 10,48 Prozent an einem einzigen Tag — ausgelöst durch Microns starkes Quartal, nicht durch eigene Meldungen. Vier Tage später legte TER nochmals 6,03 Prozent zu, nachdem Cantor Fitzgerald das Kursziel von 400 auf 550 USD und Bank of America von 365 auf 525 USD angehoben hatten.
Das Problem: Der breite Analysten-Konsens liegt bei rund 390 bis 400 USD. Selbst nach den bullischen Anhebungen der beiden Häuser sieht die Mehrheit der 21 abdeckenden Analysten die Aktie unter dem Niveau, auf dem sie zuletzt gehandelt wurde. Wer zu 460 USD kauft und auf einen Konsens von 390 USD schaut, braucht eine sehr hohe Überzeugung — oder einen sehr kurzen Zeithorizont.
Hinzu kommt die Erinnerung an den 28. April 2026. Teradyne meldete ein Rekordquartal: Umsatz 1,282 Milliarden USD, ein Plus von 87 Prozent gegenüber dem Vorjahr, Non-GAAP-EPS von 2,56 USD. Die Aktie fiel am Folgetag um 19,41 Prozent, im Tief um 26,73 Prozent. Der Markt bestrafte nicht die Zahlen, sondern die Bewertung. Für Q2 hat das Management einen Umsatz von 1,15 bis 1,25 Milliarden USD in Aussicht gestellt — also einen Rückgang gegenüber Q1. Der nächste Earnings Call steht in rund 33 Tagen an.
Strukturell ist die Teradyne-Story intakt: Rund 70 Prozent des Q1-Umsatzes stammten aus KI-getriebenen Anwendungen, vor allem aus dem Test von High-Bandwidth-Memory für KI-Server. Die Nachfrage ist real. Aber ein Kurs, der weit über dem Konsens liegt, auf einem Quartal aufbaut, das sequenziell schrumpft, und dessen jüngste Käufer passive Indexfonds nach der Nasdaq-100-Aufnahme am 22. Juni waren — das ist kein stabiles Fundament für weitere Kursgewinne ohne neue operative Überraschungen.
Der heutige Rückgang ist keine Neubewertung der Teradyne-These. Er ist die Normalisierung nach einem Kursanstieg, der zu schnell zu weit gegangen ist.
