Morgen nach US-Börsenschluss legt Micron Technology die Ergebnisse für das dritte Fiskalquartal 2026 vor. Auf dem Spiel steht weniger die Frage, ob die Zahlen gut sind — das erwartet ohnehin fast jeder. Die eigentliche Frage ist, ob Micron die Erwartungen hoch genug ansetzt, um einen Markt zu befriedigen, der die Aktie auf eine Marktkapitalisierung von rund 1,2 Billionen USD getrieben hat.
Analystenerwartungen
Der Konsens liegt laut finanzen.net bei rund 19,72 USD EPS (non-GAAP) auf Basis von 31 Analysten, beim Umsatz bei etwa 34,4 Mrd. USD — ein Anstieg von rund 270 % gegenüber dem Vorjahresquartal. Zum Vergleich: Im zweiten Fiskalquartal erzielte Micron 23,86 Mrd. USD Umsatz und 12,20 USD EPS, während Analysten damals nur 8,79 USD erwartet hatten. Der Beat war also massiv. Genau das hat die Latte für dieses Quartal entsprechend hochgelegt.
Für das Gesamtjahr 2026 rechnet der Konsens mit rund 59 USD EPS und knapp 109 Mrd. USD Umsatz — Zahlen, die noch vor zwei Jahren als Science-Fiction gegolten hätten.
Bewertungskontext
Das aktuelle KGV liegt bei 53,46 auf TTM-Basis. Bullische Analysten argumentieren, das Forward-KGV sei deutlich niedriger, weil die Gewinne schneller wachsen als der Kurs. Das stimmt rechnerisch — aber es setzt voraus, dass die Konsensschätzungen für 2026 und 2027 auch eintreffen. Susquehanna hat das Kursziel auf 1.750 USD angehoben, UBS auf 1.625 USD. Gleichzeitig liegt der Tikr-Fair-Value bei 739 USD, und der Durchschnitt aller Kursziele einer anderen Erhebung bei 878 USD — also deutlich unter dem aktuellen Kurs. Diese Diskrepanz ist kein Randproblem, sondern der Kern des Risikos.
Was Anleger beachten sollten
Drei Punkte werden den Kurs nach den Zahlen bestimmen. Erstens: HBM-Kapazität und Preissetzung. Micron hat nach eigenen Angaben die HBM-Kapazität für 2026 vollständig ausverkauft und kann nur 50 bis 67 % der Gesamtnachfrage nach High-Bandwidth-Memory bedienen. Neue Werke in Idaho und Taiwan liefern laut Management erst ab 2028 nennenswerte Zusatzkapazität. Jede Aussage, die auf frühere Normalisierung hindeutet, dürfte den Kurs belasten.
Zweitens: die Bruttomarge. Im Vorquartal lag sie bei 74 %. Bleibt sie auf diesem Niveau oder steigt sie weiter, ist das ein starkes Signal. Fällt sie auch nur moderat, werden Fragen zur Nachhaltigkeit laut — bei diesem Bewertungsniveau zu Recht.
Drittens: die Guidance. Der Markt ist an „Beat and Raise” gewöhnt. Eine Guidance, die lediglich inline mit dem Konsens liegt, wird wahrscheinlich negativ interpretiert, selbst wenn die Quartalszahlen absolut betrachtet stark sind. Zusätzlich stehen Details zu den neu abgeschlossenen mehrjährigen Lieferverträgen im Fokus: Ein Teil des Marktes begrüßt die Planungssicherheit, ein anderer befürchtet, dass fixe Preisstrukturen das Upside bei weiter steigenden Spotpreisen kappen. Microns Allianz mit Anthropic im KI-Bereich könnte im Earnings Call ebenfalls thematisiert werden — als Argument für die strategische Positionierung jenseits des Commodity-DRAM-Geschäfts.
