Honeywell International (HON.US) legt heute, am 23. April 2026, seine Quartalszahlen für Q1 2026 vor. Der Industrie-Konglomerat steht an einem strategischen Wendepunkt: Die geplante Aufspaltung in fokussierte Pure-Play-Unternehmen und ein Rekordauftragsbestand von 37 Milliarden US-Dollar machen diesen Berichtstag zu einem der meistbeachteten im Industriesektor.
Analystenerwartungen: Moderates EPS-Wachstum, rückläufiger Umsatz
Der Konsens von 18 bis 19 Analysten liegt beim bereinigten Gewinn je Aktie (EPS) bei 2,31 bis 2,34 USD – gegenüber 2,22 USD im Vorjahreszeitraum entspricht das einem Wachstum von rund 4 bis 5 Prozent. Honeywell selbst hat eine Guidance von 2,25 bis 2,35 USD ausgegeben, was den Konsens gut einrahmt und konservativ wirkt.
Beim Umsatz hingegen erwartet der Markt mit rund 9,30 Milliarden USD einen Rückgang von etwa 5,25 Prozent gegenüber den 9,82 Milliarden USD aus Q1 2025. Honeywells eigene Bandbreite liegt bei 9,1 bis 9,4 Milliarden USD. Hintergrund sind Portfoliobereinigungen und temporäre Lieferstörungen im Nahen Osten, die den Umsatzvergleich verzerren.
Bewertungskontext: Unterbewertung trotz Restrukturierungsfantasie
Die Honeywell-Aktie notiert aktuell bei rund 216 bis 222 USD. Analysten sehen im Durchschnitt ein Kursziel von 251 bis 261 USD, was einem Aufwärtspotenzial von 13 bis fast 21 Prozent entspricht. Der Konsens unter 26 Analysten lautet auf Kauf. Für das Gesamtjahr 2026 wird ein EPS von rund 10,49 USD erwartet, was bei einem Kurs von 220 USD einem vorwärtsgerichteten KGV von etwa 21 entspricht – für ein sich restrukturierendes Industrieunternehmen mit EBITDA-Wachstum von erwarteten 15 Prozent eine vertretbare Bewertung.
Was Anleger heute im Blick haben sollten
- Aerospace-Spin-off: Fortschritte und Zeitplan der Abspaltung des Luft- und Raumfahrtbereichs sind marktbewegende Faktoren.
- Auftragsbestand: Wie schnell der Rekordauftragsbestand von 37 Mrd. USD in Umsatz umgewandelt wird, gibt Aufschluss über die operative Stärke.
- Margenentwicklung: Gelingt es Honeywell trotz Umsatzrückgang, die Margen zu verbessern, wäre das ein starkes Signal.
- Insider-Sentiment: In den vergangenen 90 Tagen haben fünf Insider Aktien verkauft – bei null Käufen. Das ist kein Alarmsignal, verdient aber Beachtung.
- Guidance für Q2 und Gesamtjahr: Der Markt wird den Ausblick besonders genau prüfen, da die Jahresziele von 10,35 bis 10,65 USD EPS ambitioniert erscheinen.
Norberts Einordnung
Honeywell befindet sich in einer klassischen Restrukturierungsphase, in der kurzfristige Umsatzrückgänge durch langfristige Wertschöpfung erkauft werden – das ist strukturell nachvollziehbar, aber für ungeduldige Anleger unbequem. Der Rekordauftragsbestand und das erwartete EBITDA-Wachstum von 15 Prozent sind echte Substanzargumente, die den aktuellen Kurs als fair bis leicht unterbewertet erscheinen lassen. Wer heute kauft, braucht allerdings Geduld: Die eigentliche Neubewertung dürfte erst nach dem vollzogenen Aerospace-Spin-off einsetzen.
