Qualcomm hat sich jahrelang als Smartphone-Chip-Lieferant definiert. Die Ankündigung von CEO Cristiano Amon, noch in diesem Jahr maßgeschneiderte KI-Chips für Rechenzentren an einen großen Hyperscaler zu liefern, ist deshalb kein gradueller Schritt, sondern ein Markteintritt in ein Segment, das bislang von NVIDIA, AMD und eigenen Chip-Designs der Cloud-Konzerne dominiert wird.
Der Markt reagierte entsprechend: Die Aktie legte am Dienstag rund 9 bis 12 Prozent zu, je nach Quelle und Messzeitpunkt. Über 30 Tage beträgt das Plus inzwischen mehr als 56 Prozent. Das ist keine Sektor-Bewegung mehr, die den Kurs trägt — AMD erreichte zwar ein Rekordhoch und löste eine breitere Chip-Rallye aus, aber Qualcomm outperformt den Sektor deutlich.
Das Kursziel des Analysten-Konsenses liegt bei 168,50 USD, das Hoch der Schätzungen bei 300 USD. Wer heute kauft, zahlt also bereits fast den Konsens-Zielpreis — und wettet darauf, dass die Rechenzentrum-Story die Schätzungen nach oben zieht. 52 Prozent der 37 erfassten Analysten halten die Aktie, nur 33 Prozent sehen einen starken Kauf. Das ist kein überwältigender Rückhalt für eine Aktie, die in einem Monat mehr als die Hälfte ihres Wertes zugelegt hat.
Hinzu kommt ein Widerspruch, den man nicht übergehen sollte: Am selben Tag, an dem die Rechenzentrum-Ankündigung für Euphorie sorgt, wurde ein Insider-Verkauf gemeldet. Das muss kein Alarmsignal sein — Führungskräfte verkaufen aus vielen Gründen — aber es passt nicht ganz zum Bild des überzeugten Managements, das eine neue Ära einläutet.
Qualcomm hat mit der Ankündigung eine These in den Markt gesetzt. Ob der namentlich noch nicht bestätigte Hyperscaler tatsächlich Microsoft oder Meta ist, und ob aus dem ersten Liefervertrag ein skalierbares Geschäft wird, bleibt vorerst offen. Die 30-Tage-Performance hat viel Erwartung vorweggenommen.
