
Makro der Woche im Überblick
Drei Entwicklungen dominieren die Woche: erstens der erwartete Sprung des Eurozonen-PPI auf 8,3 % (Vormonat: 5,8 %), der die Frage aufwirft, wie lange der Disinflationspfad beim HICP noch trägt. Zweitens die US-Dienstleistungsdaten — ISM Services PMI soll leicht auf 55,7 steigen, während Geschäftsaktivität und Auftragseingänge marginal nachgeben. Drittens ein dichter EZB-Redekalender: Nagel, Lane, Schnabel und Buch sprechen alle am Montag, was selten ist und auf koordinierte Kommunikation hindeutet.
Zahlen kompakt
- EZB-Einlagezins: 2,50 % (Stand: 2. Oktober 2026). Der HICP lag zuletzt bei 3,3 % (August 2026), nach 2,9 % im Juli — das ist 130 Basispunkte über dem EZB-Ziel, und die Lücke wächst wieder.
- Eurozonen-PPI: Konsens 8,3 % YoY nach 5,8 % — ein erheblicher Anstieg, der Inflationsdruck in der Pipeline signalisiert. Ob das auf den HICP durchschlägt, bleibt die entscheidende Folgefrage.
- Bund 10Y: 3,526 % am 2. Oktober, an diesem Tag um 7,4 Basispunkte gefallen. US-Treasury 10Y bei 5,242 %, ebenfalls leicht rückläufig. Der Spread von rund 172 Basispunkten bleibt historisch weit.
- Sentix Investorenvertrauen: Konsens 4,5 nach zuvor 5,1 — kein Einbruch, aber die Richtung stimmt nicht. Zusammen mit dem erwarteten Rückgang der deutschen Auftragseingänge (Konsens: −0,9 % MoM nach +2,5 %) ergibt sich ein Bild, das für die Eurozone wenig Dynamik verspricht.
- ISM Services Employment: 48,0 erwartet — weiterhin unter der Expansionsschwelle. Der US-Dienstleistungssektor wächst, stellt aber netto keine Jobs mehr ein. Das ist ein Signal, das die Fed nicht ignorieren kann.
Was bedeutet das für Anleger
Der PPI-Sprung auf 8,3 % ist das unbequeme Datum der Woche. Produzentenpreise laufen dem HICP typischerweise mit einigen Monaten voraus. Wenn sich das bestätigt, steht die EZB vor einem Problem: Einlagezins bei 2,50 %, HICP bei 3,3 % und ein PPI, der nach oben zeigt. Reale Zinsen bleiben damit negativ — kein klassisches Restriktionsszenario.
Für Rentenanleger bedeutet das: Bund-Duration bleibt ein Risiko, solange der PPI-Trend anhält. Der 7-jährige Bund wird am Mittwoch versteigert (Vorauktion: 2,68 %), und die FOMC-Protokolle am selben Abend könnten den Ton für die US-Seite setzen. Wer auf fallende Renditen gesetzt hat, braucht entweder einen schwachen PPI oder eine deutlich taubenhaftere EZB-Kommunikation — beides ist diese Woche nicht wahrscheinlich.
Für Aktienanleger ist der ISM Services PMI das Gegengewicht: 55,7 ist solide Expansion, und die US-Konsumwirtschaft läuft. Europäische Industriewerte dagegen stehen zwischen schwachen Auftragseingängen und steigenden Inputkosten — eine Kombination, die Margen belastet. Währungsseitig hat der Euro zuletzt nachgegeben (EUR/USD um 1,1523), und ein hawkisher EZB-Ton könnte kurzfristig stützen — aber nur, wenn Nagel und Schnabel tatsächlich Zinserhöhungssignale senden, was angesichts des Wachstumsbilds keine ausgemachte Sache ist.
Ausblick auf die Börsenwoche
Montag, 5. Oktober: Der Tag ist vollgepackt. Um 08:30 Uhr erscheint das Sentix-Investorenvertrauen (Konsens: 4,5). Um 09:00 Uhr folgen die Eurozonen-Produzentenpreise — das Schlüsseldatum der Woche. Parallel sprechen Nagel (07:45), Lane (08:00) und Schnabel (09:00): Drei EZB-Stimmen in 75 Minuten. Um 14:00 Uhr US-Zeit kommen die ISM-Services-Daten in voller Breite (PMI, Business Activity, New Orders, Employment, Prices).
Dienstag, 6. Oktober: Deutsche Auftragseingänge (Konsens: −0,9 % MoM), Eurozonen-Einzelhandelsumsätze und der S&P Global Construction PMI für Deutschland (Konsens: 48) und die Eurozone (Konsens: 43 — tief im kontraktiven Bereich). Fed-Gouverneur Williams spricht am Nachmittag.
Mittwoch, 7. Oktober: Deutsche Industrieproduktion (Konsens: +1,4 % MoM nach −1,1 %). Abends um 18:00 Uhr US-Zeit: FOMC-Protokoll der September-Sitzung — der Markt wird auf Hinweise zur weiteren Zinspolitik achten, besonders nach dem starken Payrolls-Bericht.
Donnerstag, 8. Oktober: EZB-Sitzungsprotokoll (11:30 Uhr), US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (Konsens: 195.000), deutsche Handelsbilanz und ein weiterer ECB-Lane-Auftritt. Abends: 30-jährige US-Treasury-Auktion (Vorauktion: 5,308 %).
Freitag, 9. Oktober: EcoFin-Treffen, Schnabel spricht erneut, CFTC-Positionsdaten und der Baker Hughes Rig Count runden die Woche ab.
der aktien.live-Redaktion
Der PPI-Sprung von 5,8 auf 8,3 % in der Eurozone ist für uns das Signal der Woche. Produzentenpreise laufen dem Verbraucherpreisindex typischerweise um Monate voraus. Der HICP liegt bereits bei 3,3 % — der EZB-Einlagezins bei nur 2,50 %. Die Realzinsen sind damit negativ, von echter Restriktion keine Spur. Lockerungssignale aus dem dichten EZB-Redekalender dieser Woche wären vor diesem Hintergrund schwer zu rechtfertigen.
Diese Einschätzung gibt die persönliche Meinung der Redaktion wieder und stellt keine Anlageberatung oder Kauf-/Verkaufsempfehlung dar.
- ecb.europa.euEZB – Offizielle Website(öffnet in neuem Tab)
- ecb.europa.euEZB – Economic Bulletin 2026/06(öffnet in neuem Tab)
- home.saxoSaxo Bank – Market Quick Take 2. Oktober 2026(öffnet in neuem Tab)
- cambridgecurrencies.comCambridge Currencies – Weekly Currency Forecast 5. Oktober 2026(öffnet in neuem Tab)
- n-tvn-tv – Der Börsentag Freitag 2. Oktober 2026(öffnet in neuem Tab)