Im letzten Quartal verfehlte Boeing die EPS-Schätzung um 44,7 Prozent: -7,47 USD je Aktie statt der erwarteten -5,16 USD. Der Umsatz von 23,27 Mrd. USD übertraf zwar die Erwartungen, doch ein Reinverlust von 611 Mio. USD bei einem Jahresvergleich von -1.550 Prozent zeigt, wie weit der Konzern noch von operativer Normalität entfernt ist.
Heute kommen frische Berichte zu erneut rückläufigen Auslieferungszahlen hinzu. Das ist das eigentliche Problem: Boeing kämpft nicht gegen einen schwachen Sektor, sondern gegen sich selbst. Die globale Flugreisenachfrage wächst, Airbus liefert, und Boeing verliert Marktanteile durch Produktionsverzögerungen beim 737 MAX. Der heutige Rückgang ist damit klar unternehmensspezifisch.
88 Analysten sehen ein durchschnittliches Kursziel von 272,01 USD, was vom aktuellen Niveau rund 13 Prozent Potenzial bedeutet. Die Bandbreite reicht von 240 bis 298 USD. Technische Signale deuten auf Überverkauf hin, was kurzfristig Käufer anlocken könnte. Doch das ändert nichts an der strukturellen Frage: Wann schafft Boeing es, Auslieferungen konsistent zu steigern?
Der nächste Earnings Call ist für den 28. Juli 2026 angesetzt, 75 Tage entfernt. Die EPS-Konsensschätzung für das laufende Quartal liegt bei +0,02 USD, also knapp über null. Das ist kein Vertrauensbeweis, sondern eine Hoffnungszahl. Wer jetzt kauft, wettet darauf, dass Boeing bis dahin keine weiteren Auslieferungsenttäuschungen produziert. Die Geschichte der letzten Quartale legt nahe, diese Wette nicht zu leichtfertig einzugehen.
