Heute nach Börsenschluss legt Nagarro SE (NA9.XETRA) seine Quartalszahlen vor. Das Münchner IT-Dienstleistungsunternehmen hat 2025 den Umsatz auf 999,3 Mio. EUR gesteigert — ein Plus von 2,8 % gegenüber dem Vorjahr, währungsbereinigt 6,1 %. Gleichzeitig sank die bereinigte EBITDA-Marge auf 13,8 %, belastet durch Wechselkursverluste und einen Einmalaufwand durch neue Arbeitsgesetze in Indien. Der geprüfte Jahresabschluss 2025 hat diese Zahlen inzwischen bestätigt. Die eigentliche Frage für heute Abend ist nicht, ob 2025 ordentlich war — das weiß der Markt bereits. Die Frage ist, ob 2026 wirklich besser wird.
Analystenerwartungen und Konsens
Das Management hat für 2026 einen Umsatzkorridor von 1,00 bis 1,06 Mrd. EUR ausgegeben, bei einer Bruttomarge von rund 32 % und einer adj. EBITDA-Marge zwischen 14,5 % und 15,5 %. Warburg Research und Jefferies halten an einer Kaufempfehlung fest, das durchschnittliche Kursziel liegt laut finanzen.net bei rund 90,50 EUR. Zuletzt wurde das Kursziel von mindestens einem Analysten leicht gesenkt, die Einstufung aber bei „Kaufen” belassen — eine Kombination, die vorsichtigen Respekt vor dem Margenrisiko signalisiert, ohne die Investmentthese aufzugeben. Konkrete EPS-Konsensschätzungen für das laufende Quartal sind öffentlich nicht breit verfügbar; der Fokus liegt klar auf der Margenentwicklung und dem Ausblick.
Bewertungskontext
Nagarro ist an der Frankfurter Börse im Scale-Segment notiert. Die Marktkapitalisierung bewegt sich im mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich. Belastbare KGV-Daten für das laufende Geschäftsjahr sind angesichts der Ergebnisvolatilität der letzten Quartale mit Vorsicht zu genießen. Der Kurs liegt deutlich unter den Kurszielen der Analysten — was entweder eine Kaufgelegenheit ist oder darauf hindeutet, dass der Markt der Margenstory schlicht noch nicht glaubt.
Was Anleger beachten sollten
Drei Punkte verdienen heute Abend besondere Aufmerksamkeit. Erstens: Ob die Sondereffekte aus 2025 — Wechselkursverluste, Indien-Einmalaufwand — tatsächlich abklingen oder ob neue Belastungen auftauchen. Zweitens: Der operative Cashflow lag 2025 bei 102,8 Mio. EUR, ein solider Wert. Bleibt die Cash-Generierung stabil, stützt das die Wahrnehmung als verlässliches Geschäftsmodell — unabhängig davon, wie die berichteten Margen aussehen. Drittens: Der Dividendenvorschlag von 1,00 EUR je Aktie ist ein Signal, dass das Management Kapital zurückgeben will, aber er ist kein Ersatz für Margenwachstum. Wer heute Abend auf eine große operative Überraschung hofft, dürfte enttäuscht werden — der Markt hat die Erwartungen bereits geerdet. Entscheidend ist, ob Nagarro die Guidance für 2026 mit konkreten Quartalsdaten untermauern kann.
