Morgan Stanley hat Workday nicht ohne Grund auf Underweight gesetzt. Die These dahinter ist unangenehm konkret: Das HCM-Segment, das den Großteil des Umsatzes trägt, verliert laut der Analyse bis 2028 strukturell an Wachstumsdynamik. KI-Initiativen befinden sich überwiegend im Pilotstadium und liefern kurzfristig keine messbaren Margen- oder Umsatzimpulse. Das Kursziel wurde von 185 auf 145 USD gesenkt.
Heute kommt ein Makroschock hinzu. Die Eskalation der US-Iran-Spannungen hat eine Risk-off-Rotation ausgelöst, die hoch bewertete Enterprise-Software-Aktien besonders hart trifft. Steigende Anleiherenditen komprimieren die Bewertungsmultiples von Wachstumstiteln, und Workday gehört mit seinem Kurs-Umsatz-Verhältnis klar in diese Kategorie. Die Aktie handelt aktuell im Bereich 133 bis 134 USD, nach einem Eröffnungskurs von rund 142 USD.
Zusätzlich meldete CFO Zane Rowe am 7. Juli den Verkauf von 6.000 Class-A-Aktien zu durchschnittlich 143 USD, ausgeführt über einen vorab geplanten Rule-10b5-1-Plan. Technisch regelkonform, optisch ungünstig: Der Verkauf fällt genau in eine Phase, in der die Aktie bereits unter Analysten-Skepsis leidet. CLSA hat Workday mit Underperform und einem Kursziel von 92 USD eingestuft, mit Verweis auf die ungewöhnlich große Lücke zwischen GAAP- und Non-GAAP-Gewinnen sowie unklare Produkt-Moats.
In rund drei Wochen stehen Quartalszahlen an. Der Konsens erwartet 1,26 USD EPS. Bis dahin dürfte die Aktie wenig Rückhalt finden: Das Makroumfeld bleibt belastet, die Analysten-Narrative sind negativ, und der Markt wird genau prüfen, ob Workday konkrete Belege für KI-Monetarisierung liefern kann. Wer auf eine Erholung setzt, braucht entweder einen geopolitischen Stimmungsumschwung oder einen Earnings-Überraschung. Beides ist möglich, aber keines ist wahrscheinlich.
