
Iberdrola legt am 21. Oktober 2026 nach Börsenschluss die Ergebnisse für das dritte Quartal sowie die ersten neun Monate des laufenden Jahres vor. Der spanische Versorger ist seit Jahresbeginn in aller Munde: Er hat NextEra zeitweise als größten privaten Stromversorger der Welt nach Marktkapitalisierung überholt, und die Aktie notiert mit rund 141,6 Mrd. Euro Börsenwert auf einem Niveau, das wenig Spielraum für Enttäuschungen lässt.
Analystenerwartungen
Der Konsens für das Quartals-EPS liegt bei 0,25 Euro. Jefferies erwartet ein bereinigtes EBITDA von rund 3,7 Mrd. Euro für Q3 — etwa 3 % über dem Vorjahreswert. Beim Nettogewinn rechnet Jefferies mit einem Plus von ungefähr 6 % im Jahresvergleich, gestützt durch geringere Minderheitsanteile nach dem Neoenergia-Tenderangebot und höhere britische Kapitalfreibeträge. Die Deutsche Bank erwartet für die ersten neun Monate ein Ergebniswachstum von rund 6 %; für das Gesamtjahr 2026 hält sie sogar etwa 12 % für möglich, während der Bloomberg-Konsens bei rund 9 % liegt. Das Umsatzbild ist weniger klar kommuniziert — im Vordergrund stehen EBITDA-Qualität und Nettogewinnentwicklung, nicht der Topline-Wert.
Bewertungskontext
Das KGV von rund 27 ist für einen regulierten Versorger sportlich. Mehrere Häuser nennen Kursziele oberhalb von 22 Euro, die Deutsche Bank bestätigte zuletzt Kaufen mit 22 Euro Ziel. Jefferies und JP Morgan sind neutral positioniert. Erste Group hat seine Gesamtjahres-EPS-Schätzung leicht von 4,70 auf 4,61 US-Dollar gesenkt — bleibt damit unter dem Konsens von 4,68 US-Dollar — behält aber die Kaufempfehlung. Das ist kein Alarmsignal, zeigt aber, dass nicht alle Häuser gleich optimistisch in den Berichtstag gehen.
Was Anleger beachten sollten
Der wichtigste Punkt ist nicht das Quartalsergebnis selbst, sondern ob Iberdrola den Jahresausblick anhebt. Die Deutsche Bank hält das für möglich; der Markt hat es aber noch nicht vollständig eingepreist. Wer auf eine Prognoseanhebung wartet, bekommt möglicherweise den stärksten Kursimpuls des Tages.
Zweiter Fokus: das regulierte Netzgeschäft. Im September stieg die verteilte Strommenge in Großbritannien um 22,8 %, teilweise durch die Integration von Electricity North West. Iberdrola will die regulierte Vermögensbasis in den USA und Großbritannien bis 2031 nahezu verdreifachen — ein ambitioniertes Ziel, das hohe Investitionsvolumina und entsprechende Finanzierung erfordert. Der Markt wird prüfen, ob die Kapitalkosten dabei im Rahmen bleiben oder ob steigende Zinsen die Renditerechnung trüben.
Dritter Punkt: die Zusammensetzung des EBITDA-Wachstums. Wächst es aus dem regulierten Kerngeschäft heraus, ist das stabiler als ein Beitrag aus Strompreisschwankungen oder Einmaleffekten. Bei einem KGV von 27 kauft man Qualität — und erwartet, dass diese Qualität auch im Zahlenwerk sichtbar bleibt. Ein bloßes Erreichen der Erwartungen dürfte die Aktie kaum bewegen.
der aktien.live-Redaktion
Iberdrola wächst solide, aber die Bewertung setzt die Messlatte hoch. Ein KGV von 27 ist für einen regulierten Versorger ambitioniert — da kauft man bereits das beste Szenario mit. Jefferies erwartet lediglich 3 % EBITDA-Wachstum im Quartal; das reicht kaum für eine Neubewertung nach oben. Entscheidend wird, ob Iberdrola seinen Jahresausblick konkret anhebt — alles darunter dürfte die Aktie kalt lassen.
Diese Einschätzung gibt die persönliche Meinung der Redaktion wieder und stellt keine Anlageberatung oder Kauf-/Verkaufsempfehlung dar.
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