Synopsys berichtet am 27. Mai 2026 nach Börsenschluss seine Zahlen für das zweite Fiskalquartal 2026. Der Markt erwartet einen EPS von 3,16 USD, was in etwa dem entspricht, was Finanzen.net auf Basis von 16 Analysten mit 3,15 USD beziffert. Beim Umsatz liegt der Konsens bei rund 2,43 Mrd. USD — Synopsys selbst hatte für das Quartal 2,39 Mrd. USD in Aussicht gestellt, also leicht darunter.
Analystenerwartungen
Das Konsensurteil ist eindeutig bullish: 15 Strong Buy, 2 Buy, 7 Hold, 1 Sell. Das mittlere Kursziel liegt laut MarketScreener bei 539,69 USD. Goldman Sachs und Rosenblatt bestätigen beide Buy-Ratings mit je 560 USD Kursziel, Mizuho geht mit Outperform und 600 USD sogar noch weiter und sieht die erweiterte NVIDIA-Partnerschaft als positiven Treiber. KeyBanc bleibt bei Overweight, hat das Kursziel aber auf 575 USD gesenkt und verweist auf mögliche Verwässerungseffekte aus eben dieser Partnerschaft. Wells Fargo ist die auffälligste Gegenstimme: Equal-Weight, Kursziel von 550 auf 445 USD gesenkt. Das ist kein kleiner Ausreißer, sondern ein Unterschied von fast 35 % zum Mizuho-Ziel.
Für das Gesamtjahr FY2026 erwartet Synopsys einen Umsatz von 9,56 bis 9,66 Mrd. USD — leicht unter dem Marktkonsens. Die EPS-Spanne von 14,32 bis 14,40 USD liegt dagegen über dem Konsens von 14,05 USD. Das ist eine ungewöhnliche Kombination: konservativere Umsatzerwartung, aber optimistischere Gewinnprognose. Wie das zusammenpasst, wird die operative Marge erklären müssen.
Bewertungskontext
Das KGV von 80,6 ist für ein Infrastruktur-Software-Unternehmen außergewöhnlich hoch. Die Aktie hat in den vergangenen zwölf Monaten rund 17 % verloren, was die Bewertung zwar etwas entlastet hat, aber nicht grundlegend verändert. Die Marktkapitalisierung liegt weiterhin im dreistelligen Milliardenbereich. Wer zu diesen Kursen kauft, wettet auf anhaltend hohes Wachstum — und auf eine Guidance, die das auch bestätigt.
Was Anleger beachten sollten
Drei Punkte werden den Kurs nach den Zahlen stärker bewegen als das gemeldete EPS selbst. Erstens: das IP-Segment. Nach früheren Schwächen dort erwarten mehrere Analysten eine Erholung — bleibt sie aus, dürfte das die Reaktion dominieren. Zweitens: China. Das Geschäft dort ist ein bekannter Unsicherheitsfaktor, und jede neue Einschränkung oder Abschwächung wird den Markt beschäftigen. Drittens: die FY2026-Guidance. Synopsys hat zuletzt vorsichtig formuliert — eine erneut zurückhaltende Prognose bei gleichzeitig hoher Bewertung ist eine schlechte Kombination. Dass in den vergangenen 90 Tagen kein einziger Insider gekauft, aber zwei verkauft haben, ist kein Alarmsignal für sich allein — aber es passt nicht zum Bild eines Managements, das die eigene Aktie für günstig hält.
