Am Mittwoch, den 3. Juni, legt Broadcom nach Börsenschluss seine Zahlen für das zweite Geschäftsquartal 2026 vor. Der Markt erwartet ein EPS von 2,39 USD (Konsens aus 37 Analysten) bei einem Umsatz von 22,04 Mrd. USD. Das wäre ein deutlicher Sprung gegenüber dem Vorjahresquartal — und gleichzeitig exakt das, was das Management selbst als Zielmarke ausgegeben hat. Wenn Guidance und Konsens deckungsgleich sind, bleibt für Überraschungen wenig Spielraum.
Was die Analysten erwarten
Der Umsatzkonsens von 22,04 Mrd. USD spiegelt die Management-Prognose für Q2 fast punktgenau wider. Für das Gesamtjahr rechnen Analysten mit 103,29 Mrd. USD Umsatz und 11,30 USD EPS. Das impliziert, dass Broadcom in der zweiten Jahreshälfte noch einmal zulegen muss — die Jahreszahlen sind also kein Selbstläufer, selbst wenn Q2 passt.
Der entscheidende Teilbereich ist der KI-Halbleiterumsatz. Im ersten Quartal wuchs dieser um 106 Prozent auf 8,4 Mrd. USD. Für Q2 hat das Management rund 10,7 Mrd. USD in Aussicht gestellt. Oppenheimer erwartet laut Marktberichten vom 29. Mai eine positive Überraschung; mehrere Häuser haben ihre Kursziele zuletzt angehoben. Die Stimmung ist bullish — was die Fallhöhe bei Enttäuschungen erhöht.
Bewertungskontext
Mit einem KGV von 86,9 ist Broadcom für einen Halbleiterwert außergewöhnlich teuer. Das ist keine neue Erkenntnis, aber es bedeutet: Der Kurs preist bereits ein Szenario ein, in dem die KI-Nachfrage über mehrere Jahre auf hohem Niveau bleibt. Jede Abschwächung im Ausblick — auch eine sprachlich vorsichtigere Formulierung des Managements — dürfte der Aktie schaden. Die Marktkapitalisierung liegt im dreistelligen Milliardenbereich; das Unternehmen ist kein Nischenplayer mehr, der mit Wachstum überraschen kann, ohne dass es bereits eingepreist wäre.
Was Anleger beachten sollten
Drei Punkte sind am Mittwochabend entscheidend. Erstens: Erreicht der KI-Chip-Umsatz die 10,7-Mrd.-Marke, oder bleibt er darunter? Zweitens: Bestätigt oder erhöht das Management die Jahresprognose? Eine bloße Bestätigung könnte als Signal gewertet werden, dass das Wachstum seinen Höhepunkt erreicht. Drittens: Wie entwickeln sich die operativen Margen? Broadcom hat nach der VMware-Integration hohe Softwareanteile; ob diese stabil zur Marge beitragen, ist bei der aktuellen Bewertung keine Nebenfrage.
Auffällig ist das Insider-Bild: In den vergangenen 90 Tagen gab es acht Verkäufe und null Käufe. Das muss kein Warnsignal sein — Insider verkaufen aus vielen Gründen — aber es passt nicht zum Bild eines Unternehmens, dessen eigene Führungskräfte die Aktie auf diesem Niveau für attraktiv halten.
