Wer Oracles Kursentwicklung der letzten Monate verfolgt, stellt fest: Der Markt behandelt das Unternehmen längst nicht mehr als klassischen Datenbankanbieter. Die Aktie legte am Handelstag um 5,42 % zu (Stand Handelsschluss) — ein Anstieg, der sich in einen breiteren Aufwärtstrend bei Cloud- und KI-Infrastrukturtiteln einreiht.
Der operative Hintergrund ist bekannt: Oracle hat in den vergangenen Quartalen sein Cloud-Infrastructure-Segment (OCI) als direkte Konkurrenz zu AWS und Azure positioniert. Hyperscaler-Deals, vor allem mit KI-Startups, die GPU-Kapazität benötigen, haben das Wachstumsprofil verändert. Das Unternehmen meldete zuletzt Remaining Performance Obligations (RPO) von über 130 Milliarden US-Dollar — ein Auftragsbestand, der die Umsatzsichtbarkeit für mehrere Jahre stützt.
Gleichzeitig ist die Bewertung nicht mehr günstig. Das Forward-KGV liegt je nach Schätzung zwischen 28 und 32 — für ein Unternehmen, das historisch eher mit einem Abschlag zu reinen Cloud-Wettbewerbern gehandelt wurde. Der Markt zahlt also bereits eine Prämie auf die KI-Infrastruktur-These.
In 43 Tagen folgt der nächste Earnings Call. Dort wird sich zeigen, ob das OCI-Wachstum die Erwartungen erneut übertrifft oder ob der Auftragsbestand schneller abgebaut wird als neue Deals hereinkommen. Bis dahin bleibt der Kurs anfällig für Stimmungsschwankungen im gesamten KI-Sektor — was den heutigen Anstieg zumindest teilweise erklärt, ohne dass eine spezifische Unternehmensmeldung vorliegt.
Technisch hat Oracle die 52-Wochen-Hochs aus dem Frühjahr 2024 hinter sich gelassen und bewegt sich auf Terrain, das fundamental erst noch bestätigt werden muss.
