Drei Analysehäuser mit übereinstimmenden Kaufempfehlungen, ein frisches Upgrade und ein Gründer, der gleichzeitig verkauft: Workday liefert heute ein klassisches Bild aus widersprüchlichen Signalen.
Monness Crespi & Hardt hat die Aktie von „Neutral” auf „Buy” hochgestuft und ein Kursziel von 150 USD gesetzt. Die Begründung ist direkt: Nach einem Kursrückgang von rund 45 % seit Jahresbeginn und 62 % seit Anfang 2024 sei die Bewertung attraktiv. Cantor Fitzgerald bestätigt „Overweight” mit 160 USD, Oppenheimer bekräftigt „Outperform” mit 165 USD nach einem Produktgespräch mit dem Head of Products. Die Bandbreite der Kursziele liegt damit 20 bis 35 USD über dem aktuellen Kurs von rund 124 USD.
Fundamental gibt es Substanz hinter dem Analyst-Case. Im letzten Quartal wuchs der Umsatz auf 2,54 Mrd. USD (+13,5 % gegenüber Vorjahr), der Abonnementumsatz auf 2,35 Mrd. USD (+14,3 %), und der 12-Monats-Auftragsbestand kletterte auf 8,81 Mrd. USD (+15,5 %). CEO Aneel Bhusri bezeichnete es als das stärkste erste Quartal beim Wachstum des neuen ACV seit fünf Jahren. Die operative Marge ist in zwei Jahren von etwa 5 % auf 13 % gestiegen — ein Aufholpotenzial, das Analysten als zentrales Argument nutzen.
Hinzu kommt der strukturelle Kontext: Der globale HCM-Markt soll von rund 37 Mrd. USD (2026) auf über 76 Mrd. USD bis 2034 wachsen. Workday gilt als einer der direkten Profiteure, zumal KI-Funktionalitäten in der HCM- und Finanzplattform zunehmend als Differenzierungsmerkmal vermarktet werden.
Der Widerspruch liegt offen: Großaktionär David A. Duffield hat am 9. Juni 107.500 Aktien für rund 14,9 Mio. USD verkauft, Ende Juni folgte ein weiterer Block von 107.500 Aktien zu Kursen zwischen 114 und 119 USD. Insider-Verkäufe in dieser Regelmäßigkeit sind kein Kaufsignal — auch wenn sie durch Diversifikationspläne erklärbar sind. Der Markt hat das heute ignoriert, was nicht bedeutet, dass er es dauerhaft tut.
Der Earnings Call steht in rund 44 Tagen an. Ob die aktuelle Erholung trägt oder nur eine technische Gegenbewegung nach dem Ausverkauf ist, wird sich an der nächsten Guidance-Qualität entscheiden — nicht an der Anzahl der Kaufempfehlungen.
