Morgan Stanleys Analyst Shawn Kim hat diese Woche einen Wendepunkt im AI-Memory-Zyklus beschrieben: Vertragspreise für NAND und DRAM sollen demnach im vierten Quartal 2026 ihren Peak erreichen, danach flacht die Dynamik bei Gewinnschätzungsanhebungen ab. Das ist keine Katastrophenmeldung — aber für eine Aktie, die sich im laufenden Jahr bereits verfünffacht hat, reicht die Botschaft, um Gewinnmitnahmen auszulösen.
Susquehanna hat das Kursziel für Sandisk von 3.250 auf 3.050 USD gesenkt, nachdem interne Modellkorrekturen zu optimistische Umsatz- und Gewinnschätzungen identifiziert hatten. Argus Research startete die Coverage zeitgleich mit „Halten” — ein neutrales Signal, das in einem Marktumfeld mit hohen Erwartungen als Dämpfer wirkt. Zusammen ergeben diese drei Signale kein Crash-Szenario, aber sie verschieben die Beweislast: Wer Sandisk zu aktuellen Kursen hält, braucht dauerhaft steigende Speicherpreise und Peak-Margen als Basisannahme.
Der Abverkauf ist nicht auf Sandisk beschränkt. SK Hynix und Micron verloren ebenfalls, ausgelöst durch Berichte über geplante Kapazitätserweiterungen bei Samsung und SK Hynix sowie Hinweise, dass Hyperscaler wie CoreWeave beginnen, sich über Derivate gegen fallende Speicherpreise abzusichern. Wer als Großkunde anfängt, Preisrückgänge abzusichern, signalisiert damit, dass er selbst nicht mehr an dauerhaft hohe Preise glaubt.
Makroseitig kommen steigende Ölpreise und anhaltende Zinssorgen hinzu, die hohe Bewertungsmultiples bei Wachstumswerten zusätzlich belasten. Sandisk ist kein Einzelfall — aber die Kombination aus extremer Vorjahresperformance, Zielsenkung und neutralem Coverage-Start macht die Aktie anfälliger als vergleichbare Sektorwerte, die weniger stark gelaufen sind.
