Wer eine Aktie mit einem KGV von 35x kauft, die bereits über dem Kursziel der meisten Analysten handelt, sollte nicht überrascht sein, wenn der Markt bei der erstbesten Gelegenheit Kasse macht. Genau das passiert heute bei Teradyne.
Der Halbleiter-Testausrüster wurde im Zuge der Juni-Quartalsanpassung neu in den Nasdaq-100 aufgenommen — ein Ereignis, das die Aktie in den Wochen zuvor kräftig nach oben gezogen hatte. Solche Index-Aufnahmen erzeugen zunächst Kaufdruck durch passive Fonds, der sich nach dem Stichtag in Umschichtungen und Gewinnmitnahmen umkehrt. Teradyne ist heute ein Lehrbuchbeispiel dafür.
Fundamental ist die Lage dabei keineswegs schlecht. Im ersten Quartal 2026 legte der Umsatz um 87 % gegenüber dem Vorjahr zu, das Non-GAAP-EPS lag bei 2,56 USD. Rund 70 % des Quartalsumsatzes entfielen auf KI-Testanwendungen — ein Segment, das strukturell wächst. Die Jahresziele stehen: 6 Mrd. USD Umsatz, 9,50 bis 11,00 USD Non-GAAP-EPS. Baird hält das Kursziel bei 446 USD mit „Outperform”, die Bank of America bei 525 USD mit „Buy”. Herabstufungen oder Gewinnwarnungen gibt es heute keine.
Das Problem ist nicht das Unternehmen, sondern der Preis. Teradyne handelt über dem modellierten fairen Wert von rund 390 USD — und im breiteren Chip-Sektor laufen parallel ähnliche Korrekturen: Micron, SanDisk und Western Digital verloren heute ebenfalls deutlich, ohne dass einzelne negative Meldungen vorlagen. Der gesamte KI-Hardware-Komplex gibt nach, und Teradyne hängt an denselben Sektortrends.
In rund vier Wochen steht der nächste Earnings Call an. Bis dahin dürfte die Aktie vor allem auf Makro-Signale und Sektorbewegungen reagieren — ein Umfeld, in dem ein hohes Bewertungsmultiple wenig Puffer lässt.
