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Marktbericht
4 min

Nucor mit EV/EBITDA 11,8 — warum der US-Stahlriese günstiger bewertet ist als sein eigener Sektor

Nucor und Steel Dynamics legen in 13 Wochen je rund 50 % zu — doch Falcon Gold mit +1.800 % in derselben Zeit wirft eine andere Frage auf: Was steckt hinter diesen Zahlen, und was davon ist investierbar?

Wenn Stahl schneller steigt als Schlagzeilen folgen können

Stellen Sie sich vor, Sie füllen einen Wassertank langsam auf — und bemerken erst nach Wochen, dass er längst überläuft. Genau so fühlt sich die Entwicklung im Grundstoffsektor gerade an. Die Bewegung lief, bevor die meisten Anleger hingeschaut haben. Jetzt steht der Tank voll, und die Frage ist: Läuft noch mehr nach?

Makro-Rahmen: Deutschland schrumpft, aber die Industrie produziert

Das wirtschaftliche Bild in Deutschland ist widersprüchlich. Das BIP ist im Jahresvergleich um 0,5 % geschrumpft. Gleichzeitig ist die Industrieproduktion um 25,6 % gestiegen — ein Wert, der auf den ersten Blick nicht zum schrumpfenden Gesamtbild passt. Die Erklärung liegt im Timing: Industrieaufträge, die in schwächeren Quartalen platziert wurden, werden jetzt abgearbeitet. Das stützt die Nachfrage nach Stahl, Metallen und Baustoffen kurzfristig, sagt aber wenig über die Richtung in sechs Monaten.

Die Inflation liegt bei 2,3 % — nah am EZB-Ziel, kein Alarmsignal. Die Arbeitslosenquote von 3,4 % zeigt einen stabilen Arbeitsmarkt. Beides zusammen ergibt ein Umfeld, das für Grundstoffwerte nicht feindlich ist, aber auch keinen strukturellen Rückenwind liefert.

Sektorperformance: 117 Prozentpunkte Vorsprung auf den DAX

Der Sektor liegt mit einem durchschnittlichen Momentum von 118,7 % und einer relativen Stärke von 117,7 Prozentpunkten gegenüber dem DAX weit vorne. Der DAX selbst hat in den letzten vier Wochen 3,3 % zugelegt, in 13 Wochen liegt er mit 0,7 % im Minus. Der Grundstoffsektor hat in diesem Zeitraum also nicht nur den Markt geschlagen — er hat ihn in einer anderen Liga gespielt.

Das klingt eindrucksvoll. Aber ich sage Ihnen auch, was mich dabei bremst: Ein Großteil dieses Sektordurchschnitts wird von Kleinstwerten wie Falcon Gold verzerrt, die mit extremen Prozentzahlen die Statistik nach oben ziehen. Wer den Sektor-Schnitt als Orientierung nimmt, ohne hineinzuschauen, zieht falsche Schlüsse.

Blue Chips: Steel Dynamics und Nucor

Steel Dynamics — ein US-amerikanischer Stahlproduzent, der auf sogenannte Elektrolichtbogenöfen setzt und damit flexibler auf Nachfrageschwankungen reagieren kann als klassische Hochofenbetreiber — hat in vier Wochen 14,4 % zugelegt, in 13 Wochen 50,7 %. Das KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis — also wie viele Jahre Gewinn man zum aktuellen Kurs bezahlt) liegt bei 26,6, exakt auf dem Sektor-Median. Das EV/EBITDA (Unternehmenswert im Verhältnis zum operativen Gewinn vor Abschreibungen — ein Maß für die Gesamtbewertung unabhängig von der Kapitalstruktur) liegt bei 16,6, ebenfalls identisch mit dem Sektor-Median. Steel Dynamics ist fair bewertet — weder Schnäppchen noch Aufpreis. Der EPS (Gewinn je Aktie) liegt bei 8,03 EUR. EPS-Revisionsdaten fehlen, was eine Aussage über die Gewinnentwicklung erschwert.

Nucor ist der interessantere Fall. Ebenfalls ein US-Stahlproduzent mit Elektrolichtbogenöfen, größer als Steel Dynamics mit einer Marktkapitalisierung von 46,6 Mrd. EUR. Das KGV liegt bei 23,6 — das sind 3 Punkte unter dem Sektor-Median von 26,6. Das EV/EBITDA liegt bei 11,8 gegenüber dem Sektor-Median von 16,6. Nucor ist also auf beiden Bewertungsmaßstäben günstiger als der Sektordurchschnitt, bei vergleichbarem Momentum: 11,8 % in vier Wochen, 51,7 % in 13 Wochen. Der EPS liegt bei 8,67 EUR. Auch hier fehlen EPS-Revisionsdaten — ich kann nicht beurteilen, ob Analysten die Gewinnschätzungen nach oben oder unten anpassen. Das ist eine echte Lücke.

Was ich sagen kann: Nucor bietet mehr Substanz pro bezahltem Euro als der Sektordurchschnitt. Das ist keine Garantie, aber ein Ausgangspunkt für weitere Analyse.

Nebenwerte: Finger weg von der Statistik

Element79 Gold Corp. hat in 13 Wochen 200 % zugelegt, in vier Wochen 0 %. Die Marktkapitalisierung liegt bei null — das bedeutet, der Wert ist so klein, dass er in keiner sinnvollen Größenordnung erfasst wird. Das EV/EBITDA ist negativ (-1,3), was auf ein Unternehmen ohne operativen Gewinn hindeutet. Kein KGV, keine Umsatzdaten, kein Sentiment. Ich kann hier keine These aufstellen, die auf Daten basiert.

Falcon Gold Corp. hat in vier Wochen 375 % zugelegt, in 13 Wochen 1.800 %. Das klingt nach einer Geschichte. Aber auch hier: Marktkapitalisierung null, EV/EBITDA negativ (-5,2), kein KGV, keine Fundamentaldaten. Was ich sehe, ist eine Kursbewegung ohne nachvollziehbare Grundlage in den verfügbaren Zahlen. Solche Bewegungen bei Kleinstwerten können viele Ursachen haben — Spekulation, dünne Handelsliquidität, Nachrichten, die ich hier nicht sehe. Ich empfehle, diese Werte nicht auf Basis dieser Daten zu handeln.

Sentiment-Signal: Keine Divergenz, aber auch keine Daten

Für keinen der analysierten Titel liegen Sentiment-Daten vor. Das bedeutet: Ich kann Ihnen nicht sagen, ob der Markt die Kursbewegungen bei Steel Dynamics und Nucor mit Überzeugung trägt oder ob die Stimmung bereits dreht. Das ist kein Fehler in der Analyse — es ist eine ehrliche Einschränkung. Wer in diesem Sektor investiert, sollte Nachrichtenfluss und Analystenmeinungen selbst im Blick behalten.

Heidelberg Materials legte laut Marktberichten zuletzt +2,0 % an einem einzelnen Handelstag zu — ein Hinweis, dass auch europäische Grundstoffwerte Aufmerksamkeit bekommen. Brent-Öl gab nach, was die Kostenseite für energieintensive Produzenten leicht entlastet.

Fazit: Nucor beobachten, Nebenwerte meiden

Der Grundstoffsektor hat in den letzten 13 Wochen geliefert. Die Frage ist jetzt, ob die Bewegung Substanz hat oder ob sie von Kleinstwerten verzerrt wird. Bei den Blue Chips sehe ich Nucor als den strukturell interessanteren Wert: günstiger bewertet als der Sektor, vergleichbares Momentum, solider EPS. Was fehlt, sind EPS-Revisionsdaten — die würden zeigen, ob Analysten die Gewinnerwartungen stützen oder bereits zurückrudern.

Meine Empfehlung: Beobachten Sie Nucor auf Basis der nächsten Quartalszahlen und achten Sie dabei auf die Entwicklung der Gewinnschätzungen. Wenn die Revisionen positiv bleiben und das EV/EBITDA unter dem Sektor-Median bleibt, ist das ein solides Fundament. Der Tank läuft nicht über — aber er ist voll genug, um genau hinzuschauen, bevor Sie nachfüllen.

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar.

Einschätzung
Redaktionelle Einordnung
der aktien.live-Redaktion
Team Sesselmann

Nucor ist im Sektor-Vergleich günstiger bewertet als der Median — KGV 23,6 vs. 26,6, EV/EBITDA 11,8 vs. 16,6 — bei nahezu identischem Momentum wie Steel Dynamics. Solange keine negativen EPS-Revisionen auftauchen und der Stahlpreis stabil bleibt, ist das eine vertretbare Position für geduldige Anleger. Stance: Beobachten mit Kaufoption nach Bestätigung der nächsten Quartalszahlen.

Diese Einschätzung gibt die persönliche Meinung der Redaktion wieder und stellt keine Anlageberatung oder Kauf-/Verkaufsempfehlung dar.

Quellen & Fußnoten
  1. Marktbericht DAX und Rohstoffe – FinanzNachrichten.de
  2. Bayer und Siemens Energy – Unternehmensmeldungen – Finanzen.net
  3. DAX und Rohstoffpreise – Wallstreet Online

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