Oracle berichtet am Donnerstag, den 10. September 2026, nach US-Börsenschluss seine Quartalsergebnisse. Der Zeitpunkt ist heikel: Die Aktie hat in den vergangenen Tagen bereits rund 5,7 % zugelegt, nachdem eine erweiterte Partnerschaft mit Hewlett Packard Enterprise zur Skalierung von KI-Infrastruktur bekannt wurde. Wer jetzt kauft, kauft in Erwartungen hinein, die schon eingepreist sind.
Was Analysten erwarten
Der Konsens liegt bei einem Non-GAAP-EPS von 1,74 USD, gegenüber 1,47 USD im Vorjahresquartal — ein Anstieg von rund 18 %. Beim Umsatz rechnet der Markt mit 19,1 bis 19,13 Mrd. USD, was einem Wachstum von etwa 28 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Zum Vergleich: Im zuletzt gemeldeten Quartal erzielte Oracle 19,18 Mrd. USD Umsatz bei einem EPS von 2,11 USD — beides über den damaligen Erwartungen. Oracle hat in den vergangenen vier Quartalen regelmäßig den Konsens übertroffen, was die Erwartung eines erneuten Beats antreibt. Ob das diesmal reicht, ist eine andere Frage.
Bewertungskontext
Oracle kommt mit einer Marktkapitalisierung von rund 457 Mrd. EUR und einem KGV von etwa 27 in diesen Berichtstag. Das TTM-EPS liegt bei 5,83 USD, der Jahresumsatz auf Zwölfmonatsbasis bei rund 67 Mrd. EUR. Einige Analysten sehen den fairen Wert bei etwa 242 USD — leicht unter früheren Schätzungen von 248 USD, obwohl die Umsatz- und Margenprognosen gleichzeitig leicht angehoben wurden. Der Widerspruch erklärt sich durch den gestiegenen Capex-Bedarf: Schätzungen gehen von 19 bis 22 Mrd. USD Investitionsausgaben in den kommenden Perioden aus, teils mehr als eine Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr. Das Options-Pricing signalisiert eine erwartete Kursbewegung von rund 11 % in beide Richtungen — der Markt sieht hier klar ein Ereignisrisiko.
Was Anleger beachten sollten
Der eigentliche Gradmesser ist nicht das EPS, sondern das Cloud-Wachstum. Oracle hat selbst eine Bandbreite von 58 bis 64 % Cloud-Wachstum kommuniziert; einzelne Analysten kalkulieren sogar über 60 % YoY für das OCI-Segment. Wer diese Latte verfehlt, wird mit dem Kurs dafür bezahlen — unabhängig davon, ob das EPS leicht über oder unter 1,74 USD landet. Dazu kommt die Capex-Kommunikation: Investoren wollen wissen, wie der Investitionspfad die freien Cashflows und die Non-GAAP-Margen in den nächsten Quartalen beeinflusst. Starkes Umsatzwachstum bei gleichzeitig steigendem Capex ist kein Widerspruch, den man einfach ignorieren kann. Der HPE-Deal hat die Erwartungen an Oracles KI-Positionierung nochmals erhöht — das ist gut für die Story, aber es erhöht auch das Rückschlagpotenzial, falls die Zahlen nur solide statt stark ausfallen. Analysten-Ratings (20 Strong Buy, 4 Buy, 15 Hold, 0 Sell) zeigen einen klaren Bull-Bias, aber die 15 Hold-Stimmen dürften genau auf Capex-Risiken und Bewertung schauen.
