Wer OHBs Auftragslage betrachtet, fragt sich unweigerlich, warum der Kurs seit Monaten nachgibt. Der Bremer Raumfahrtkonzern hat einen Auftragsbestand von rund 3,3 Milliarden Euro aufgebaut, zuletzt ergänzt durch einen IRIS²-Auftrag von SES über knapp eine Milliarde Euro für 18 MEO-Plattformen. Trotzdem verlor die Aktie heute weitere 3,26 Prozent.
Das Grundproblem ist bekannt: OHB wächst beim Umsatz, aber die operative Marge hält nicht Schritt. Im ersten Halbjahr 2026 meldete das Unternehmen zwar starkes Umsatzwachstum, doch der Gewinn enttäuschte — ein Muster, das den Markt seit dem Kurseinbruch von über 60 Prozent gegenüber dem Mehrjahreshoch beschäftigt. Projektkosten, Ramp-up-Aufwand für neue Satellitenprogramme und ein schwieriges Preisumfeld bei institutionellen Aufträgen drücken auf die Rentabilität.
Hinzu kommt die Bewertungsfrage. Nach dem Index-Aufstieg und dem medienwirksamen Raumstations-Engagement hat OHB zwar Sichtbarkeit gewonnen, aber Analysten kreisen weiter um eine Aktie, die fundamental günstig aussieht — und trotzdem nicht anzieht. Der IRIS²-Deal war ein klares positives Signal, reichte aber offenbar nicht aus, um das Vertrauen in die Margenentwicklung zurückzugewinnen.
Ohne einen konkreten Tages-Katalysator dürfte der heutige Rückgang vor allem technischer Natur sein: Verkaufsdruck in einem Titel, der seit Wochen keine nachhaltige Erholung zeigt und dessen nächster Earnings Call in etwa 71 Tagen ansteht. Bis dahin bleibt die Frage offen, ob OHB beim nächsten Zahlenwerk endlich liefern kann, was der Auftragsbestand verspricht.
