Makro der Woche im Überblick
Drei Entwicklungen bestimmen die Börsenwoche. Erstens: Der US-Arbeitsmarkt kühlt sich laut Konsens weiter ab — Nonfarm Payrolls werden für Mai auf 96.000 geschätzt, nach 115.000 im Vormonat. Private Payrolls sollen sogar auf 85.000 fallen. Zweitens: Die ISM-Preiskomponenten bleiben hartnäckig hoch. ISM Manufacturing Prices wird bei 85,3 erwartet (Vorwert 84,6), ISM Services Prices bei 71,3. Das ist kein Inflationsumfeld, das Zinssenkungen einfach macht. Drittens: Die Eurozone bekommt am Dienstag ihren HICP-Flash — Konsens liegt bei 2,4 % für die Kernrate, nach 2,2 % zuvor. Sollte die Zahl überraschen, wird das die EZB-Debatte vor der Juni-Sitzung neu entfachen.
Zahlen kompakt
Belastbare Echtzeitwerte für BIP-Wachstum, Inflation und Leitzins lagen zum Redaktionsschluss nicht vollständig vor. Was der Kalender liefert, ist dennoch aufschlussreich: Die Eurozone-Arbeitslosenquote wird stabil bei 6,2 % erwartet — kein Beweggrund für die EZB, vom Kurs abzuweichen. Die deutschen Einzelhandelsumsätze (Montag) werden mit -0,4 % bzw. -1,4 % im Jahresvergleich geschätzt, nach -2,0 % zuvor. Eine leichte Verbesserung, aber kein Trendbruch. Das M3-Geldmengenwachstum der Eurozone soll auf 3,3 % steigen (Vorwert 3,2 %), Unternehmenskredite dagegen leicht auf 3,1 % nachgeben. Die Kreditdynamik bleibt also verhalten — was zur These passt, dass die EZB-Zinssenkungen bisher wenig Wachstumsimpuls erzeugen.
In den USA ist das Bild widersprüchlich: ISM Manufacturing PMI bei 52,6 und New Orders bei 54,3 signalisieren Expansion, während der Employment-Index bei 46,6 im Kontraktionsbereich bleibt. Wachstum ohne Einstellungen, bei steigenden Inputpreisen — das ist die Konstellation, die der Fed den Spielraum nimmt.
Was bedeutet das für Anleger
Aktien: Der DAX hält sich nahe Allzeithoch (zuletzt um 24.624 Punkte), technisch ist der Bereich 24.500–24.650 als Unterstützung etabliert. Solange der Freitags-Payrolls-Report nicht deutlich unter Konsens fällt, dürfte das Sentiment stabil bleiben. Riskanter wird es, wenn Payrolls enttäuschen und ISM-Preise gleichzeitig heiß bleiben — dann ist das Stagflations-Narrativ wieder auf dem Tisch, und zyklische Sektoren reagieren als erste.
Renten: US-Treasuries dürften die Woche nervös beginnen. Ein ISM-Prices-Wert über 85 bei gleichzeitig schwachen Payrolls ist für den Markt schwer einzupreisen — Kurzläufer könnten Renditen nach oben drücken, während das lange Ende von Wachstumssorgen gedeckelt wird. Bund-Spreads hängen am Dienstags-HICP; eine Überraschung nach oben würde den Druck auf 2-jährige Schätze erhöhen.
Währungen: EUR/USD bleibt im Spannungsfeld zwischen schwachen deutschen Einzelhandelsdaten und einem möglichen HICP-Anstieg. Netto dürfte der Euro wenig Richtung finden, solange die Fed-Erwartungen nicht kippen.
Ausblick auf die Börsenwoche
- Montag, 2. Juni: Deutsche Einzelhandelsumsätze (Konsens -0,4 % MoM), Eurozone M3 und Kreditdaten, ISM Manufacturing PMI (Konsens 52,6), ISM Prices (85,3) und New Orders (54,3) — der erste harte Datenpunkt der Woche.
- Dienstag, 3. Juni: Eurozone HICP-Flash (Kernrate Konsens 2,4 %, nach 2,2 %), Fed-Redner Kashkari und Hammack, JOLTs Job Openings (Konsens 6,87 Mio.).
- Mittwoch, 4. Juni: ADP Employment Change (Konsens 116.000, nach 109.000), ISM Services PMI (Konsens 53,6), ISM Services Prices (71,3), Fed Beige Book — wichtig für die Stimmungslage in den Fed-Distrikten. Dazu spricht EZB-Direktorin Cipollone.
- Donnerstag, 5. Juni: EZB-Präsidentin Lagarde hält eine Rede (08:00 Uhr) — einen Tag vor dem US-Arbeitsmarktbericht ist das Timing relevant. Eurozone Einzelhandelsumsätze, Challenger Job Cuts, US Initial Jobless Claims (Konsens 211.000).
- Freitag, 6. Juni: Nonfarm Payrolls (Konsens 96.000, privat 85.000), Arbeitslosenquote stabil bei 4,3 % erwartet, Average Hourly Earnings +0,3 % MoM. Das ist der Wochenentscheid — wer hier überrascht, setzt den Ton für die Juni-Fed-Sitzung.
