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Wochenbericht
2 min

Payrolls-Konsens bei 96.000, ISM-Preise bei 85,3 — hält der Markt das für bullisch?

US-Arbeitsmarkt und ISM-Daten dominieren eine vollgepackte Woche: Wenn Nonfarm Payrolls auf 96.000 fallen und ISM-Preise gleichzeitig auf 85,3 klettern, wird die Fed-Pause zur Geduldsprobe.

Payrolls-Konsens bei 96.000, ISM-Preise bei 85,3 — hält der Markt das für bullisch?
Foto: Tom Fisk

Makro der Woche im Überblick

Drei Entwicklungen bestimmen die Börsenwoche. Erstens: Der US-Arbeitsmarkt kühlt sich laut Konsens weiter ab — Nonfarm Payrolls werden für Mai auf 96.000 geschätzt, nach 115.000 im Vormonat. Private Payrolls sollen sogar auf 85.000 fallen. Zweitens: Die ISM-Preiskomponenten bleiben hartnäckig hoch. ISM Manufacturing Prices wird bei 85,3 erwartet (Vorwert 84,6), ISM Services Prices bei 71,3. Das ist kein Inflationsumfeld, das Zinssenkungen einfach macht. Drittens: Die Eurozone bekommt am Dienstag ihren HICP-Flash — Konsens liegt bei 2,4 % für die Kernrate, nach 2,2 % zuvor. Sollte die Zahl überraschen, wird das die EZB-Debatte vor der Juni-Sitzung neu entfachen.

Zahlen kompakt

Belastbare Echtzeitwerte für BIP-Wachstum, Inflation und Leitzins lagen zum Redaktionsschluss nicht vollständig vor. Was der Kalender liefert, ist dennoch aufschlussreich: Die Eurozone-Arbeitslosenquote wird stabil bei 6,2 % erwartet — kein Beweggrund für die EZB, vom Kurs abzuweichen. Die deutschen Einzelhandelsumsätze (Montag) werden mit -0,4 % bzw. -1,4 % im Jahresvergleich geschätzt, nach -2,0 % zuvor. Eine leichte Verbesserung, aber kein Trendbruch. Das M3-Geldmengenwachstum der Eurozone soll auf 3,3 % steigen (Vorwert 3,2 %), Unternehmenskredite dagegen leicht auf 3,1 % nachgeben. Die Kreditdynamik bleibt also verhalten — was zur These passt, dass die EZB-Zinssenkungen bisher wenig Wachstumsimpuls erzeugen.

In den USA ist das Bild widersprüchlich: ISM Manufacturing PMI bei 52,6 und New Orders bei 54,3 signalisieren Expansion, während der Employment-Index bei 46,6 im Kontraktionsbereich bleibt. Wachstum ohne Einstellungen, bei steigenden Inputpreisen — das ist die Konstellation, die der Fed den Spielraum nimmt.

Was bedeutet das für Anleger

Aktien: Der DAX hält sich nahe Allzeithoch (zuletzt um 24.624 Punkte), technisch ist der Bereich 24.500–24.650 als Unterstützung etabliert. Solange der Freitags-Payrolls-Report nicht deutlich unter Konsens fällt, dürfte das Sentiment stabil bleiben. Riskanter wird es, wenn Payrolls enttäuschen und ISM-Preise gleichzeitig heiß bleiben — dann ist das Stagflations-Narrativ wieder auf dem Tisch, und zyklische Sektoren reagieren als erste.

Renten: US-Treasuries dürften die Woche nervös beginnen. Ein ISM-Prices-Wert über 85 bei gleichzeitig schwachen Payrolls ist für den Markt schwer einzupreisen — Kurzläufer könnten Renditen nach oben drücken, während das lange Ende von Wachstumssorgen gedeckelt wird. Bund-Spreads hängen am Dienstags-HICP; eine Überraschung nach oben würde den Druck auf 2-jährige Schätze erhöhen.

Währungen: EUR/USD bleibt im Spannungsfeld zwischen schwachen deutschen Einzelhandelsdaten und einem möglichen HICP-Anstieg. Netto dürfte der Euro wenig Richtung finden, solange die Fed-Erwartungen nicht kippen.

Ausblick auf die Börsenwoche

  • Montag, 2. Juni: Deutsche Einzelhandelsumsätze (Konsens -0,4 % MoM), Eurozone M3 und Kreditdaten, ISM Manufacturing PMI (Konsens 52,6), ISM Prices (85,3) und New Orders (54,3) — der erste harte Datenpunkt der Woche.
  • Dienstag, 3. Juni: Eurozone HICP-Flash (Kernrate Konsens 2,4 %, nach 2,2 %), Fed-Redner Kashkari und Hammack, JOLTs Job Openings (Konsens 6,87 Mio.).
  • Mittwoch, 4. Juni: ADP Employment Change (Konsens 116.000, nach 109.000), ISM Services PMI (Konsens 53,6), ISM Services Prices (71,3), Fed Beige Book — wichtig für die Stimmungslage in den Fed-Distrikten. Dazu spricht EZB-Direktorin Cipollone.
  • Donnerstag, 5. Juni: EZB-Präsidentin Lagarde hält eine Rede (08:00 Uhr) — einen Tag vor dem US-Arbeitsmarktbericht ist das Timing relevant. Eurozone Einzelhandelsumsätze, Challenger Job Cuts, US Initial Jobless Claims (Konsens 211.000).
  • Freitag, 6. Juni: Nonfarm Payrolls (Konsens 96.000, privat 85.000), Arbeitslosenquote stabil bei 4,3 % erwartet, Average Hourly Earnings +0,3 % MoM. Das ist der Wochenentscheid — wer hier überrascht, setzt den Ton für die Juni-Fed-Sitzung.
Einschätzung
Redaktionelle Einordnung
der aktien.live-Redaktion
Team Sesselmann

Die Kombination aus schwächeren Payrolls und hartnäckig hohen ISM-Preiskomponenten ist das eigentliche Risiko dieser Woche — nicht der Rückgang der Beschäftigung allein. Wer zyklische Positionen im Portfolio hält, sollte den Freitag abwarten, bevor er aufstockt. Wir bleiben bei defensiven Qualitätstiteln übergewichtet und reduzieren Exposure in zinssensitiven Wachstumswerten, solange ISM Prices über 80 notiert.

Diese Einschätzung gibt die persönliche Meinung der Redaktion wieder und stellt keine Anlageberatung oder Kauf-/Verkaufsempfehlung dar.

Quellen & Fußnoten
  1. DAX KW 23 – Gewinner und Verlierer
  2. DAX, Öl und HVs im Fokus – die neue Börsenwoche
  3. DAX-Analyse KW 23 2026

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