Makro der Woche im Überblick
Drei Themen bestimmen die Woche: erstens der US-Inflationspfad, der am Donnerstag mit dem PCE-Deflator auf den Prüfstand kommt; zweitens die Rohstoffmärkte, wo ein Lagerabbau von knapp 7,9 Millionen Barrel Rohöl in der Vorwoche die Angebotsdiskussion neu entfacht hat; drittens eine ungewöhnlich dichte Zentralbank-Woche mit fünf Fed-Rednern und einer EZB-Pressekonferenz am Mittwoch.
Der Rohstoffkomplex ist dabei nicht nur ein Energie-Thema. Kupfer-Spekulanten halten laut CFTC-Daten netto 75.900 Kontrakte long — ein Niveau, das auf anhaltende Nachfrageerwartungen aus dem Industriesektor hindeutet, auch wenn der Chicago Fed National Activity Index für April bei -0,3 erwartet wird, nach -0,2 im Vormonat. Wachstum und Rohstoffnachfrage senden also gerade leicht widersprüchliche Signale.
Zahlen kompakt
- PCE-Deflator (Donnerstag): Konsens 3,8 % YoY für den Headline-PCE, Core PCE bei 3,3 % — nach 3,2 % im Vormonat. Ein weiterer Anstieg beim Kernmaß würde Fed-Zinssenkungshoffnungen für den Sommer weiter dämpfen.
- Durable Goods (Donnerstag): Konsens +0,4 % MoM, nach +0,8 % im Vormonat. Die Kernkomponente ohne Verteidigung liegt bei -0,2 % — kein Wachstumssignal.
- CB Consumer Confidence (Dienstag): Konsens 91,9 nach 92,8. Drei Monate in Folge sinkend, aber noch kein Einbruch.
- Eurozone Economic Sentiment (Mittwoch): Konsens 92 nach 93. Consumer Inflation Expectations springen laut Schätzung auf 55 von 49,1 — das ist der auffälligste Einzelwert dieser Woche auf europäischer Seite.
- Deutsches CPI (Freitag): Konsens 2,8 % YoY (HICP), nach 2,9 %. Leichter Rückgang, aber kein Durchbruch nach unten.
Was bedeutet das für Anleger?
Rohstoff-Aktien stehen in einem interessanten Spannungsfeld: Der Lagerabbau bei Öl stützt Energietitel kurzfristig, doch der schwächere Chicago Fed Activity Index und die rückläufigen Durable Goods mahnen zur Vorsicht bei zyklischen Industriewerten. Wer in Energieaktien investiert ist, sollte die EIA-Lagerdaten am Donnerstag genau beobachten — ein erneuter Rückgang würde die Angebotsthese festigen.
Am Rentenmarkt ist die Richtung klar: Liegt Core PCE über 3,3 %, dürften US-Treasuries weiter verkauft werden. Die 7-Year-Note-Auktion am Donnerstag (Vorwert: 4,175 %) wird zeigen, wie viel Risikoprämie der Markt verlangt. Für Euro-Anleger kommt hinzu, dass die EZB-Pressekonferenz am Mittwoch und Lagarde-Rede am Donnerstag den EUR/USD-Kurs bewegen können — zumal die Inflationserwartungen der Verbraucher in der Eurozone laut Schätzung deutlich anziehen.
Beim DAX bleibt der Blick auf die deutschen Importpreise am Freitag relevant: Konsens +5,3 % YoY nach +2,3 % — ein starker Anstieg, der Margen exportorientierter Unternehmen belasten kann, wenn er sich in den Erzeugerpreisen fortsetzt.
Ausblick auf die Börsenwoche
Dienstag, 26. Mai: CB Consumer Confidence (Konsens 91,9), Dallas Fed Manufacturing Index (Konsens -1,0), S&P/Case-Shiller Hauspreise.
Mittwoch, 27. Mai: EZB Financial Stability Review, EZB-Pressekonferenz (17:00 Uhr), Fed Logan Speech, API Crude Oil Stocks. Europäische Autoverkäufe für Mai — Konsens +6,6 % YoY nach +12,5 % im Vormonat, ein deutlicher Rückgang der Wachstumsdynamik.
Donnerstag, 28. Mai: Der Datentag der Woche. PCE-Deflator, Core PCE, Personal Income, Personal Spending, Durable Goods Orders, Initial Jobless Claims (Konsens 212k), New Home Sales. Dazu EZB-Reden von Lagarde, Lane und Cipollone sowie Fed Williams. EIA-Rohöl-Lagerbestandsdaten.
Freitag, 29. Mai: Deutsche Arbeitslosenquote (Konsens 6,4 %), deutsches CPI (Konsens 2,8 % HICP), Chicago PMI (Konsens 49,5), US Goods Trade Balance (Konsens -89 Mrd. USD). CFTC-Positionsdaten zum Wochenschluss geben Aufschluss über Rohstoff-Sentiment.
