Seit Monaten kreist die Bewertungsdiskussion um Merck um eine einzige Frage: Was passiert mit dem Umsatz, wenn Keytruda 2028 in den USA seinen Patentschutz verliert? Die heutigen Phase-3-Daten aus der INTerpath-001-Studie sind kein vollständiger Antwort, aber ein ernstzunehmender Schritt in die richtige Richtung.
Merck und Moderna meldeten, dass ihre personalisierte mRNA-Krebstherapie intismeran autogene in Kombination mit Keytruda bei Patienten mit resektiertem Stadium-IIB-bis-IV-Melanom die primären Endpunkte der Studie erreicht hat. Die Kombination verlängerte die Zeit bis zum Tumorrezidiv signifikant gegenüber Keytruda allein und reduzierte das Risiko einer Fernmetastasierung messbar. Das sind keine vorläufigen Signaldaten — das ist ein Phase-3-Ergebnis, das eine Zulassungsdiskussion eröffnet.
Der Markt reagierte entsprechend: MRK legte intraday rund 10 % zu und markierte ein neues 12-Monats-Hoch im Bereich von 137 bis 150 USD. Daiwa hob das Rating auf Outperform an und erhöhte das Kursziel von 120 auf 143 USD. JPMorgan zog das Ziel von 140 auf 150 USD hoch, bleibt bei Overweight. Der Konsens liegt derzeit um 136 bis 137 USD.
Das Fundament war bereits solide: Im Q2 2026 erzielte Merck 16,61 Mrd. USD Umsatz, Keytruda allein trug 8,37 Mrd. USD bei — ein Plus von 5 % gegenüber dem Vorjahr. Der adjustierte Verlust je Aktie von -0,13 USD fiel deutlich besser aus als die erwarteten -0,27 USD. Die subkutane Formulierung Keytruda Qlex soll das Franchise zusätzlich verlängern.
Was heute passiert ist, ist unternehmensspezifisch und nicht sektorgetrieben. Personalisierte mRNA-Onkologie ist zwar ein breit beachtetes Feld, aber der konkrete Datenpunkt kommt von Merck und Moderna — und er trifft auf eine Aktie, die seit Monaten unter der Patentablauf-Diskussion litt. Ob intismeran autogene tatsächlich ein kommerziell relevanter Keytruda-Nachfolger wird, hängt von Zulassungsprozessen und Preissetzung ab, die noch Jahre entfernt sind. Der nächste Earnings-Termin am 29. Oktober 2026 dürfte erste Guidance-Anpassungen bringen, die zeigen, wie ernst das Management diesen Datenpunkt selbst nimmt.
