Oracle berichtet am 16. Juni nach US-Börsenschluss seine Ergebnisse für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2026. Der Termin kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Aktie eine erhebliche Bewertungsprämie trägt — getragen von KI-Vertragsphantasie und einem Auftragsbestand, der in den letzten Quartalen schneller gewachsen ist als der ausgewiesene Umsatz.
Analystenerwartungen
Der aktuelle EPS-Konsens liegt bei 1,95 USD auf Non-GAAP-Basis. Das passt zur eigenen Guidance, die Oracle für dieses Quartal mit 1,92 bis 1,96 USD angegeben hatte. Im Vorquartal (Q3 FY2026) meldete das Unternehmen ein Non-GAAP-EPS von 1,79 USD. Ein Beat wäre also rechnerisch möglich, aber der Spielraum ist eng — die Guidance umschließt den Konsens fast punktgenau, was wenig Raum für positive Überraschungen lässt.
Beim Umsatz schauen Analysten vor allem auf das Cloud-Segment. Im Q3 wuchs der Cloud-Umsatz kräftig und ist inzwischen der wichtigste Wachstumstreiber des Konzerns. Für das Gesamtjahr FY2026 hatte Oracle einen Umsatz von rund 67 Mrd. USD in Aussicht gestellt.
Bewertungskontext
Oracle wird aktuell mit einem Forward-KGV gehandelt, das für einen reifen Software-Infrastruktur-Anbieter ambitioniert ist. Die Marktkapitalisierung bewegt sich im Bereich mehrerer hundert Milliarden USD, und der Kurs hat sich im 52-Wochen-Vergleich deutlich nach oben bewegt — wesentlich getrieben durch die KI-Infrastruktur-Narrative rund um Oracle Cloud Infrastructure (OCI). Wer zu diesen Kursen kauft, kauft im Grunde die Annahme, dass der RPO-Aufbau sich in tatsächlichen Umsätzen materialisiert.
Was Anleger beachten sollten
Der wichtigste Einzelindikator ist der RPO. Im Q2 FY2026 lag er bei 523 Mrd. USD, im Q3 bei 553 Mrd. USD — ein weiterer Anstieg wäre ein klares Signal, dass die Nachfrage nach großen KI-Cloud-Verträgen anhält. Oracle hat erklärt, dass ein erheblicher Teil dieser Verträge durch Kunden-Vorauszahlungen oder kundenseitig bereitgestellte GPUs finanziert wird, was den eigenen Kapitalbedarf begrenzt. Das klingt gut, solange die Verträge auch tatsächlich abgerufen werden.
Auf der Kostenseite steht der angekündigte Capex von 50 Mrd. USD für FY2026 im Raum. Der Markt wird prüfen, ob diese Zahl bestätigt oder angepasst wird — nach oben wäre ambivalent, nach unten ein Warnsignal für die Wachstumsambitionen.
Das Insider-Bild ist nüchtern: In den letzten 90 Tagen gab es vier Verkäufe und keinen einzigen Kauf. Das ist kein Alarmsignal für sich allein, aber es passt nicht zum Bild eines Managements, das die eigene Aktie zu aktuellen Kursen für günstig hält. Wer auf einen sauberen Beat mit Guidance-Anhebung setzt, wettet gegen diese Signallage.
