Workday berichtet seine Quartalszahlen am 27. August nach US-Börsenschluss. Auf dem Papier klingt die Ausgangslage gut: vier EPS-Beats in Folge, eine Beat-Wahrscheinlichkeit von historisch rund 91 %, solides zweistelliges Umsatzwachstum. In der Praxis ist die Lage komplizierter, weil der Kurs die guten Nachrichten zum Teil bereits vorweggenommen hat.
Was der Markt erwartet
Der Konsens liegt bei einem non-GAAP-EPS von rund 2,63 USD und einem Quartalsumsatz von etwa 2,63 bis 2,64 Mrd. USD, was einem Wachstum von ungefähr 12 % gegenüber dem Vorjahresquartal entspricht. Für das laufende Geschäftsjahr rechnen Analysten mit einem Gesamt-EPS von rund 10,77 USD und einem Umsatz von etwa 10,67 Mrd. USD. Im Folgejahr soll der EPS auf 12,63 USD steigen, der Umsatz auf knapp 11,85 Mrd. USD.
Beim Subscription-Revenue hatte das Management zuletzt ein Wachstum von 15 % sowie ein CRPO-Wachstum von 15 bis 16 % in Aussicht gestellt. Jede deutliche Abweichung von diesen Werten würde den Markt aufschrecken, weil CRPO als Frühindikator für die Nachfragepipeline gilt.
Bewertung nach der Rallye
Die Aktie hat in den vergangenen drei Monaten rund 63 % zugelegt, der Sektor im gleichen Zeitraum etwa 8 %. Ein erheblicher Teil dieses Anstiegs geht auf einen Reuters-Bericht vom 13. August zurück, wonach Silver Lake Gespräche über eine Übernahme von Workday führt. Die Aktie sprang daraufhin intraday bis zu 30 %, schloss mit einem Plus von 18 % — der stärkste Handelstag seit einem Jahrzehnt. Seitdem ist keine verbindliche Vereinbarung bekannt.
Das KGV liegt auf Basis des TTM-GAAP-EPS bei rund 62. Wer auf non-GAAP-Basis rechnet, kommt auf deutlich niedrigere Multiples, aber auch dann ist die Bewertung anspruchsvoll. Deutsche Bank hat die Aktie nach der Rallye von Buy auf Hold zurückgestuft, das Kursziel aber bei 220 USD belassen. Baird hat sein Ziel auf 215 USD angehoben und bleibt positiv. Das Bild ist also gespalten: Die Fundamentaldaten sind intakt, aber der Einstiegszeitpunkt ist eine andere Frage.
Was Anleger beachten sollten
Drei Punkte werden den Kurs nach den Zahlen bestimmen. Erstens: Guidance. Ein reiner Beat bei EPS und Umsatz dürfte eingepreist sein. Was zählt, ist, ob das Management die FY-Subscription-Guidance anhebt oder zumindest am oberen Ende der bisherigen Spanne von 13 bis 14 % bestätigt. Zweitens: CRPO und Backlog. Zahlen deutlich unter den avisierten 15 bis 16 % Wachstum würden als Warnsignal für die Großkunden-Pipeline gelten. Drittens: Silver Lake. Jede Aussage des Managements zu strategischen Optionen oder laufenden Gesprächen wird den Kurs kurzfristig stärker bewegen als jede Umsatzzahl. Bleibt das Thema unkommentiert, dürfte die Spekulation weiterlaufen — mit entsprechender Volatilität in beide Richtungen. Die non-GAAP-Operating-Margin lag zuletzt bei 28 %; ob Workday diese Marke bei gleichzeitig steigenden Investitionen in KI-Funktionen und Produktintegrationen halten kann, ist eine weitere offene Frage.
