Seit Brian Niccol im September 2024 das Ruder übernahm, lautet die These: Starbucks ist ein Executions-Problem, kein Strukturproblem. Günstigere Wartezeiten, weniger Menü-Komplexität, Rückbesinnung auf das Café-Erlebnis. Das klingt plausibel — aber die Zahlen haben die Story bislang nicht bestätigt.
Im zuletzt berichteten Quartal schrumpften die vergleichbaren Filialumsätze erneut, sowohl in Nordamerika als auch in China. Das EBITDA hatte drei Jahre in Folge kontrahiert, bevor erste Stabilisierungszeichen sichtbar wurden. Die Margenstruktur bleibt angespannt: höhere Personalkosten, gestiegene Rohstoffpreise bei Kaffee, und ein Preispunkt, der in einem konsumkritischen Umfeld zunehmend hinterfragt wird.
Der heutige Rückgang von 3,4 Prozent fällt in eine Phase, in der Anleger vor Quartalszahlen Positionen bereinigen. Der nächste Earnings Call steht in etwa 29 Tagen an — genug Zeit für Nervosität, aber zu wenig für neue operative Daten. Pre-Earnings-Positioning erklärt einen Teil der Bewegung, zumal die Aktie seit Jahresbeginn bereits deutlich gelaufen ist und Gewinnmitnahmen technisch naheliegen.
Hinzu kommt ein struktureller Kontext: Starbucks prüft laut Medienberichten einen möglichen Anteilsverkauf oder Börsengang für einzelne Regionalsegmente — ein Schritt, der Kapital freisetzen, aber auch Fragen zur strategischen Kohärenz aufwerfen könnte. Ob das eine Stärke- oder eine Notmaßnahme ist, hängt davon ab, wie man die Bilanz liest.
Die Umsatz-Inflection, auf die Analysten seit Niccols Amtsantritt warten, ist noch nicht eingetreten. Die Margenerholung bleibt das eigentliche Upside-Szenario — aber auch das setzt voraus, dass der operative Turnaround schneller greift als bisher sichtbar.
