Prosus N.V. legt am 29. Juni nach Börsenschluss seine Ergebnisse für das abgelaufene Geschäftsjahr vor. Der niederländische Internet-Konzern, mehrheitlich im Besitz der südafrikanischen Naspers-Gruppe, ist für viele Anleger vor allem eines: ein Vehikel für die Tencent-Beteiligung. Doch genau das ist das Problem — und die Chance.
Was auf dem Spiel steht
Prosus hält rund 24 Prozent an Tencent und damit einen der wertvollsten Einzelposten im globalen Tech-Portfolio. Der Aktienkurs von Prosus handelt seit Jahren mit einem strukturellen Abschlag zum Net Asset Value (NAV), der zeitweise 40 bis 50 Prozent betrug. Das Rückkaufprogramm, das Prosus und Naspers seit 2022 betreiben, sollte diesen Abschlag schließen — mit mäßigem Erfolg. Ob das Programm fortgesetzt wird und in welchem Umfang, dürfte eine der meistbeachteten Fragen im Earnings-Call sein.
Analystenerwartungen
Belastbare Konsensschätzungen für EPS und Umsatz sind zum aktuellen Zeitpunkt nicht öffentlich verfügbar. Prosus berichtet in US-Dollar und gliedert sein Nicht-Tencent-Portfolio in Segmente wie Food Delivery (iFood, Swiggy), Payments & Fintech (PayU), EdTech und Classifieds. Im Geschäftsjahr 2024/25 hatte Prosus erstmals einen Kerngewinn (Trading Profit) für das gesamte E-Commerce-Portfolio ausgewiesen — ein Meilenstein, den das Management als Beweis für die operative Reife des Portfolios verkaufte. Anleger werden prüfen, ob dieser Gewinn stabil bleibt oder ob einzelne Segmente wieder in die Verlustzone rutschen.
Besonders iFood in Brasilien und Swiggy in Indien stehen im Fokus: Beide Märkte sind kompetitiv, die Margen dünn. Swiggy ist seit Ende 2024 börsennotiert, was Prosus zusätzliche Transparenz — aber auch Vergleichsdruck — beschert.
Bewertungskontext
Die Marktkapitalisierung von Prosus liegt im Bereich von 70 bis 80 Milliarden Euro, abhängig vom Tencent-Kurs. Ein klassisches KGV ist bei Prosus wenig aussagekräftig, weil der Großteil des Gewinns aus der Tencent-Beteiligung stammt und nicht operativ erwirtschaftet wird. Der NAV-Abschlag ist das eigentliche Bewertungsmaß — und er ist hartnäckig. Im 52-Wochen-Vergleich hat die Aktie von der Tencent-Rally profitiert, hinkt dem NAV aber weiterhin hinterher.
Was Anleger beachten sollten
Drei Punkte verdienen besondere Aufmerksamkeit. Erstens: der Fortschritt beim Rückkaufprogramm und ob das Tempo gehalten oder reduziert wird. Zweitens: die operative Marge im E-Commerce-Portfolio — ein Rückfall in die Verlustzone würde die These der Profitabilitätswende beschädigen. Drittens: jede Aussage zur Tencent-Beteiligung, sei es eine weitere Teilveräußerung oder eine Veränderung der Halte-Strategie. Prosus hat in der Vergangenheit Tencent-Anteile verkauft, um Rückkäufe zu finanzieren — ein Mechanismus, der funktioniert, solange Tencent steigt, aber strukturell begrenzt ist. Der Abschlag zum NAV ist kein Zufall, sondern ein Markturteil über die Kapitalallokation. Das Management muss am 29. Juni zeigen, dass es dieses Urteil ernst nimmt.
