Texas Instruments (TXN.US) öffnet am 22. April 2026 nach Börsenschluss die Bücher für das erste Quartal 2026. Der Halbleitergigant steht unter besonderer Beobachtung: Gelingt der erhoffte Turnaround bei Umsatz und Gewinn, oder drückt die anhaltende Schwäche im Industriegeschäft weiter auf die Zahlen?
Analystenerwartungen: Solides Wachstum eingeplant
Der Konsens von 29 Analysten liegt beim Gewinn je Aktie (EPS) bei 1,36 USD – ein Plus von rund 6,25 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert von 1,28 USD. Einzelne Schätzungen gehen leicht auseinander: Während einige Quellen 1,29 USD nennen, liegt die von uns erfasste Schätzung bei 1,37 USD. Texas Instruments selbst hatte mit seiner Q1-Guidance eine Bandbreite von 1,22 bis 1,48 USD (Mittelpunkt: 1,35 USD) ausgegeben – und lag damit bereits deutlich über den damaligen Wall-Street-Erwartungen von 1,26 USD.
Beim Umsatz rechnen Analysten mit rund 4,52 Mrd. USD, ein Wachstum von knapp 11 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Auch hier gibt es eine konservativere Schätzung von 4,45 Mrd. USD, die aber immer noch auf einen zweistelligen Zuwachs hindeutet. Die eigene Guidance des Unternehmens sah 4,32 bis 4,68 Mrd. USD vor.
Bewertungskontext: Hohes KGV bleibt ein Thema
Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 40,9 ist Texas Instruments für einen reifen Halbleiterwert vergleichsweise hoch bewertet. Die Aktie notiert aktuell bei etwa 169 USD und hat in den vergangenen 30 Tagen rund 8 Prozent verloren. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt bei 199,92 USD – ein Aufwärtspotenzial von rund 18 Prozent. Die Spanne reicht dabei von 126 bis 273 USD, was die Unsicherheit im Sektor widerspiegelt.
Was Anleger besonders beachten sollten
- Industrienachfrage: Rund 75 Prozent des Umsatzes stammen aus Industrie, Automobil und Rechenzentren. Eine Erholung in diesen Segmenten ist entscheidend für die Jahresprognose.
- Sequenzielles Wachstum: Erstmals seit 15 Jahren wird für Q1 ein sequenzieller Umsatzanstieg erwartet – ein potenziell starkes Signal für den Marktzyklus.
- Insider-Sentiment: In den letzten 90 Tagen gab es 0 Käufe, aber 8 Insider-Verkäufe – kein panikartiges Signal, aber auch keine Rückendeckung von innen.
- Analystendruck: Mehrere Häuser haben ihre Kursziele zuletzt gesenkt. Bernstein stuft die Aktie mit Underperform ein, während UBS ein Kaufurteil hält. Das gespaltene Bild zeigt: Der Markt ist noch nicht überzeugt.
- Free Cash Flow: Für das Gesamtjahr 2026 werden mindestens 8 USD je Aktie an freiem Cashflow erwartet – eine wichtige Kennzahl für die Dividendenstory von TXN.
Norberts Einordnung
Texas Instruments ist kein Wachstumswert, der von KI-Euphorie getragen wird – das Unternehmen lebt vom industriellen Rückgrat der Wirtschaft, und genau dort bleibt die Erholung zäh. Die starke Q1-Guidance hat die Aktie im Januar kurz beflügelt, doch seitdem hat der Markt wieder Luft abgelassen. Wer auf TXN setzt, braucht Geduld: Die Substanz stimmt, das Timing ist aber schwierig. Ich würde den Bericht abwarten und erst bei einer positiven Überraschung in den Industriesegmenten über einen Einstieg nachdenken.
