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Marktbericht
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Tokyo Electron bricht -76 % in vier Wochen ein — Applied Materials läuft +25,91 %: Zwei Halbleiter-Ausrüster, zwei völlig verschiedene Welten

Tokyo Electron mit KGV 9,9 — weniger als ein Viertel des Sektor-Medians — und trotzdem ein Kurseinbruch von -76 % in vier Wochen. Applied Materials kostet das Fünffache, läuft aber in die entgegengesetzte Richtung. Was steckt hinter dieser Schere?

Stellen Sie sich vor, Sie kaufen zwei baugleiche Werkzeugmaschinen beim selben Händler. Eine kostet ein Viertel der anderen. Und trotzdem läuft die teure Maschine auf Hochtouren, während die günstige im Lager steht. Genau dieses Bild liefert der Technologiesektor in dieser Analyse-Periode.

Was gerade in Deutschland passiert — und warum das relevant ist

Deutschland wächst. Das BIP legte um 0,24 % zu, die Industrieproduktion stieg im Jahresvergleich um bemerkenswerte 25,2 %. Die Inflation liegt bei 2,17 % — nah am EZB-Ziel, kein Alarmzeichen. Die Arbeitslosenquote von 3,8 % zeigt einen stabilen Arbeitsmarkt.

Das klingt nach einem guten Umfeld für Technologiewerte. Und tatsächlich: Der Sektor schlägt den DAX in diesem Zeitraum um 55,97 Prozentpunkte. Der DAX selbst verlor in vier Wochen 3,16 %, in 13 Wochen 2,16 %. Der Technologiesektor hält sich deutlich besser. Aber innerhalb des Sektors sieht es sehr uneinheitlich aus — und das ist der Punkt, auf den ich Sie hinweisen möchte.

Die Deutsche Börse erklärt die relative Stärke von Tech mit einem Stimmungswandel rund um Künstliche Intelligenz: Neue KI-Produkte von Meta sorgten für Aufwind, nachdem KI-Sicherheitsbedenken zunächst Chipwerte belastet hatten. Steigende Anleiherenditen blieben dabei ein Gegengewicht — hohe Renditen drücken auf die Bewertungen von Wachstumstiteln, weil zukünftige Gewinne weniger wert erscheinen, wenn sichere Staatsanleihen mehr abwerfen.

Sektorperformance: Stark im Vergleich, unruhig im Detail

Das durchschnittliche Momentum im Sektor liegt bei 55 % — das ist solide. Die relative Stärke von 55,97 Prozentpunkten gegenüber dem DAX ist ein klares Signal, dass Kapital in Technologie fließt, während der breite Markt schwächelt. Für Sie als Anleger bedeutet das: Der Sektor als Ganzes ist kein schlechter Platz. Aber innerhalb des Sektors liegen Welten auseinander. Wer hier pauschal kauft, kauft blind.

Blue Chips: Zwei Halbleiter-Ausrüster, ein extremer Kontrast

Tokyo Electron Limited (TKY)

Tokyo Electron stellt Maschinen her, mit denen Halbleiter produziert werden — Belichtungsanlagen, Ätzgeräte, Beschichtungssysteme. Das Unternehmen ist einer der wichtigsten Zulieferer der globalen Chipindustrie, mit einer Marktkapitalisierung von 157,4 Milliarden Euro kein kleiner Spieler.

Die Bewertung ist auf den ersten Blick verführerisch: KGV von 9,9 — das KGV zeigt, wie viele Jahre Gewinn man rechnerisch für den aktuellen Aktienkurs bezahlt. Der Sektor-Median liegt bei 46,4. Tokyo Electron kostet also weniger als ein Viertel dessen, was der Durchschnitt im Sektor kostet. Das EV/EBITDA — ein Maß dafür, wie teuer ein Unternehmen im Verhältnis zu seinem operativen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen ist — liegt bei 33,6, exakt am Sektor-Median.

Und dann der Kurs: -76,17 % in vier Wochen, -74,43 % in 13 Wochen. Das ist kein normaler Rücksetzer. Das ist ein Einbruch, der nach einer konkreten Ursache verlangt. Technische Daten wie RSI oder Kursabstand zu den gleitenden Durchschnitten fehlen in dieser Analyse — das erschwert die Einordnung. Ich kann Ihnen hier keine saubere Aussage liefern, ob das ein Kaufniveau oder eine Kapitulation ist. Was ich sagen kann: Ein KGV von 9,9 bei einem Unternehmen dieser Größe und Marktstellung ist entweder eine seltene Gelegenheit — oder ein Signal, dass der Markt etwas einpreist, das in den Zahlen noch nicht sichtbar ist. Beide Möglichkeiten müssen Sie ernst nehmen.

Applied Materials Inc (AP2)

Applied Materials liefert ebenfalls Produktionsanlagen für die Halbleiterindustrie — Abscheidungssysteme, Ätzanlagen, Messtechnik. Mit 375,8 Milliarden Euro Marktkapitalisierung ist das Unternehmen mehr als doppelt so groß wie Tokyo Electron.

Das KGV liegt bei 46,4 — exakt am Sektor-Median. Kein Abschlag, kein Aufschlag. Das EV/EBITDA beträgt 32,5, minimal unter dem Sektor-Median von 33,6. Applied Materials ist fair bewertet, nicht günstig, nicht teuer. Der Kurs lief in vier Wochen +25,91 %, in 13 Wochen +21,35 %. Das ist ein konsistentes, ruhiges Momentum — kein Ausreißer nach oben, sondern eine gleichmäßige Aufwärtsbewegung.

Der EPS — also der Gewinn je Aktie — liegt bei 10,21. Zum Vergleich: Tokyo Electron kommt auf 7,01. Applied Materials verdient je Aktie mehr, wird aber auch deutlich höher bewertet. Das ist der Markt, der Verlässlichkeit und Momentum einpreist. Ob das gerechtfertigt ist, hängt davon ab, wie sich die Chipnachfrage in den nächsten Quartalen entwickelt — besonders im KI-Infrastrukturbereich, wo Rechenzentren massiv ausgebaut werden.

Nebenwerte: Hier ist Vorsicht angebracht

Zwei Nebenwerte sind in den Daten — XIGEM Technologies und Aurora Solar Technologies. Ich werde ehrlich mit Ihnen sein: Die Datenlage ist dünn.

XIGEM Technologies hat eine Marktkapitalisierung von 1 Million Euro. Das EV/EBITDA ist negativ (-0,04), was bedeutet, dass das Unternehmen operativ Verluste schreibt. Der Kurs bewegte sich in vier Wochen nicht, in 13 Wochen verlor er 38,46 %. Kein KGV, keine Umsatzdaten, kein RSI. Ich sehe hier keine Grundlage für eine fundierte These.

Aurora Solar Technologies weist eine Marktkapitalisierung von null aus — das ist kein Druckfehler, sondern ein Hinweis auf ein Micro-Cap-Unternehmen unterhalb jeder sinnvollen Liquiditätsschwelle. Der Kurs verdoppelte sich in vier und 13 Wochen (+100 %), aber das EV/EBITDA ist negativ (-6,49). Kein Gewinn, keine Substanz in den verfügbaren Daten. Solche Bewegungen bei Micro-Caps können viele Ursachen haben — und die meisten davon sind für Privatanleger nicht kontrollierbar. Ich empfehle hier, die Finger stillzuhalten.

Sentiment: Keine Divergenz-Signale diesmal

In dieser Periode gibt es keine Titel mit positivem Momentum bei negativem Sentiment — und umgekehrt auch nicht. Das klingt unspektakulär, ist aber eine Information: Der Markt sendet keine versteckten Widerspruchssignale. Was läuft, läuft. Was fällt, fällt. Das macht die Lage lesbarer, aber nicht einfacher — denn der extreme Einbruch bei Tokyo Electron bleibt ohne Sentiment-Kontext schwer einzuordnen.

Fazit: Zwei Maschinen, eine Entscheidung

Applied Materials ist der ruhige, verlässliche Kandidat in diesem Sektor-Ausschnitt: faire Bewertung, konsistentes Momentum, solider EPS. Wer im Halbleiter-Ausrüster-Segment positioniert sein möchte, findet hier eine nachvollziehbare Ausgangslage. Beobachten Sie die Chipnachfrage-Daten der großen Foundries — TSMC und Samsung melden quartalsweise, wie voll ihre Auftragsbücher sind. Das ist der direkteste Frühindikator für Applied Materials.

Tokyo Electron lasse ich vorerst auf der Beobachtungsliste. Das KGV von 9,9 ist auffällig günstig — aber ein Kurseinbruch von drei Viertel in 13 Wochen verlangt eine Erklärung, die die vorliegenden Daten nicht liefern. Warten Sie auf mehr Klarheit, bevor Sie handeln. Die günstige Maschine im Lager kann ein Schnäppchen sein — oder sie hat einen Defekt, den man erst beim Einschalten bemerkt.

Einschätzung
Redaktionelle Einordnung
der aktien.live-Redaktion
— Team Sesselmann

Applied Materials überzeugt uns als der klarere Halbleiter-Ausrüster: KGV am Sektor-Median von 46,4, EV/EBITDA leicht darunter, dazu ein Kursplus von +25,91 % in vier Wochen ohne Überhitzungszeichen. Tokyo Electron mit KGV 9,9 klingt günstig — aber -76 % in vier Wochen ist ein Warnsignal. Die Ursache bleibt unklar. Wer handelt, bevor das geklärt ist, wettet auf eine Erklärung, die die Daten bislang schuldig bleiben.

Diese Einschätzung gibt die persönliche Meinung der Redaktion wieder und stellt keine Anlageberatung oder Kauf-/Verkaufsempfehlung dar.

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