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Wochenbericht
3 min

US-CPI auf 4,2 % und EZB-Zinsentscheid am Donnerstag: Wer blinkt zuerst?

US-Inflation soll laut Konsens auf 4,2 % springen — gleichzeitig hebt die EZB voraussichtlich auf 2,4 % an. Zwei Zentralbanken, zwei Richtungen, ein Problem: der Euro.

Diese Woche ist vollgepackt mit Daten, die tatsächlich etwas entscheiden könnten. Mittwoch kommt der US-CPI für Mai, Donnerstag folgt die EZB mit ihrem Zinsentscheid. Beides zusammen ergibt eine seltene Konstellation: Während die Fed de facto auf Pause ist und die Inflation wieder anzieht, erhöht Frankfurt die Zinsen weiter. Das hat Konsequenzen für EUR/USD — und für alle, die Anleihen halten.

Makro der Woche im Überblick

  • US-CPI Mittwoch: Der Konsens liegt bei 4,2 % YoY für Mai, nach 3,8 % im April. Das wäre der stärkste Anstieg seit Monaten — getrieben vor allem durch Energie und Dienstleistungen. Core CPI soll bei 2,9 % bleiben, monatlich bei +0,3 %. Wenn die Zahl höher kommt, ist die Diskussion über Fed-Zinssenkungen 2026 erst einmal beendet.
  • EZB-Entscheid Donnerstag: Der Markt erwartet eine Anhebung des Hauptrefinanzierungssatzes auf 2,4 %, Einlagensatz auf 2,25 %. Lagarde spricht bereits Dienstagabend — was sie sagt, dürfte den Ton für den Donnerstag setzen. Interessant: Die EZB erhöht, während die Eurozone-Industrie schwächelt und der Sentix-Index für Juni bei -13,8 erwartet wird (Vormonat: -16,4).
  • Deutsche Industriedaten Dienstag: Fabrikaufträge für April werden mit -1,2 % MoM erwartet, nach einem starken +5,0 % im März. Industrieproduktion soll +0,5 % liefern — nach -0,7 % im Vormonat. Beide Zahlen zusammen zeigen, wie fragil die deutsche Erholung ist: ein Monat Aufatmen, ein Monat Rückschlag.

Zahlen kompakt

Konkrete Makrodaten aus den EODHD-Feeds fehlen diese Woche für Deutschland und die Eurozone. Was der Kalender liefert, ist aber aussagekräftig genug: Der US-PPI am Donnerstag (Konsens: +6,8 % YoY, Core PPI +5,3 %) zeigt, dass der Preisdruck in der Produktionskette noch nicht abgebaut ist. Das ist das Vorlaufindiz für künftige CPI-Daten — und es ist kein beruhigendes.

Auf der Verbraucherseite: Die Michigan-Inflationserwartungen für ein Jahr liegen bei 4,8 % (Freitag), die 5-Jahres-Erwartungen bei 3,8 %. Beides deutlich über dem Fed-Ziel. Consumer Inflation Expectations (NY Fed, Montag) sollen auf 3,8 % steigen, nach 3,6 %. Die Erwartungsverankerung bröckelt langsam.

Was bedeutet das für Anleger

Anleihen: Ein CPI über 4,2 % drückt US-Treasuries weiter. Der 10-Year-Note-Auction am Mittwoch (Vorwert: 4,468 %) wird zeigen, wie viel Risikoprämie der Markt verlangt. Wer auf fallende Renditen gesetzt hat, sollte die Position überprüfen.

Währungen: EUR/USD steht vor einem Tauziehen. EZB erhöht, Fed pausiert — das spricht für Euro-Stärke. Aber wenn der US-CPI überrascht und die Fed-Erwartungen drehen, kann sich das schnell umkehren. Die CFTC-Daten zeigen EUR-Netto-Long bei +48,9k Kontrakten — der Markt ist bereits positioniert. Das macht einen Squeeze wahrscheinlicher, falls die Zahl enttäuscht.

Aktien: Höhere Inflation bei gleichzeitig schwacher Industrieproduktion ist das unangenehmste Szenario für zyklische Werte. Exportorientierte DAX-Schwergewichte wie Volkswagen oder BASF leiden doppelt: schwache Inlandsnachfrage, starker Euro. Defensive Sektoren und Preissetzer mit echten Margen halten sich besser.

Ausblick auf die Börsenwoche

Montag, 8. Juni: Deutsche Fabrikaufträge (Konsens -1,2 %), Sentix Investors Sentiment für die Eurozone (Konsens -13,8), US Consumer Inflation Expectations (Konsens 3,8 %). Bundesbank-Vorstand Balz spricht am Morgen — möglicherweise mit Hinweisen zur EZB-Linie.

Dienstag, 9. Juni: Deutsches Außenhandelspaket: Exporte, Importe, Industrieproduktion, Handelsbilanz (Konsens +14,2 Mrd. EUR). US-Handelsbilanz (Konsens -55,5 Mrd. USD). NFIB Business Optimism (Konsens 96). EZB-Präsidentin Lagarde spricht ab 16:30 Uhr.

Mittwoch, 10. Juni: Das Highlight der Woche — US-CPI für Mai (Konsens: +4,2 % YoY, Core +2,9 % YoY). Dazu EIA-Rohöllagerbestände und 10-Year-Note-Auction.

Donnerstag, 11. Juni: EZB-Zinsentscheid (Konsens: Hauptsatz auf 2,4 %, Einlagensatz auf 2,25 %), Pressekonferenz ab 12:45 Uhr. Gleichzeitig US-PPI (Konsens: +6,8 % YoY), Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (Konsens: 225k). OPEC-Monatsbericht.

Freitag, 12. Juni: Michigan Consumer Sentiment (Konsens 46), Michigan Inflationserwartungen 1 Jahr (4,8 %) und 5 Jahre (3,8 %). Bundesbank-Präsident Nagel spricht. CFTC-Positionierungsdaten zum Wochenschluss.

Einschätzung
Redaktionelle Einordnung
der aktien.live-Redaktion
Team Sesselmann

Der CPI-Anstieg auf 4,2 % YoY ist keine Überraschung — aber er macht Fed-Zinssenkungen 2026 unrealistisch, solange die Erwartungen nicht wieder verankert sind. Gleichzeitig erhöht die EZB in eine schwächelnde Industriekonjunktur hinein. EUR/USD-Long ist der naheliegende Trade, aber bei 48,9k Netto-Long-Kontrakten ist die Position bereits voll. Wir beobachten — und kaufen erst nach dem CPI-Print, wenn die Richtung klar ist.

Diese Einschätzung gibt die persönliche Meinung der Redaktion wieder und stellt keine Anlageberatung oder Kauf-/Verkaufsempfehlung dar.

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