Zum Inhalt springen
Wochenbericht
3 min

US-CPI, ZEW bei -29 und sechs Fed-Reden: Wer blinkt zuerst?

Dienstag bringt den US-Inflationswert für April (Konsens: 3,4 %) und einen ZEW-Erwartungsindex, der auf -29,1 einbrechen soll — zwei Datenpunkte, die den Zinspfad diesseits und jenseits des Atlantiks neu kalibrieren könnten.

KW 20 ist keine ruhige Datenwoche. Sechs Fed-Redner, drei deutsche Anleiheauktionen, US-CPI, PPI, Retail Sales und ZEW — das ist kein Kalender, das ist ein Stresstest für Zinserwartungen. Wer glaubt, die Märkte hätten die geldpolitische Richtung bereits eingepreist, bekommt diese Woche reichlich Gelegenheit, diese These zu überprüfen.

Makro der Woche im Überblick

  • US-Inflation im Fokus: Der CPI für April erscheint am Dienstag. Konsens liegt bei 3,4 % YoY — nach 3,3 % im März. Der monatliche Anstieg wird mit 0,6 % erwartet, nach 0,9 % im Vormonat. Gleichzeitig soll die Kern-Inflation auf Monatsbasis bei 0,4 % liegen, deutlich über dem März-Wert von 0,2 %. Wenn diese Zahlen so kommen, ist eine Fed-Zinssenkung vor September vom Tisch.
  • ZEW kollabiert auf dem Papier: Das ZEW-Konjunkturbarometer für Deutschland wird für Mai bei -29,1 erwartet — nach -17,2 im April. Das wäre der schärfste Einmonatsrückgang seit Monaten. Die aktuellen Lageeinschätzungen sollen bei -76 liegen. Solche Werte signalisieren, dass Finanzmarktprofis die konjunkturelle Erholung nicht mehr sehen, die manche Frühindikatoren noch andeuteten.
  • Anleihemärkte unter Beobachtung: Deutschland platziert am Montag 6- und 12-Monats-Bubills (Vorwert: 2,31 % bzw. 2,52 %), am Dienstag folgt der 2-jährige Schatz (Vorwert: 2,47 %), am Mittwoch der 30-jährige Bund (Vorwert: 3,57 %). Auf US-Seite stehen 3-Year Note (Vorwert: 3,90 %), 10-Year Note (Vorwert: 4,28 %) und 30-Year Bond (Vorwert: 4,88 %) zur Auktion. Die Nachfrage bei diesen Terminen ist kein Randthema — sie zeigt, ob institutionelle Investoren die aktuellen Renditeniveaus als attraktiv genug erachten.

Zahlen kompakt

Aktuelle Makrodaten aus den EODHD-Feeds sind diese Woche nicht verfügbar. Was der Kalender zeigt: Der US-Arbeitsmarkt bleibt laut CB Employment Trends Index (Vorwert: 105,72) stabil, die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe werden bei 205.000 erwartet — kaum verändert. Retail Sales für April sollen bei +0,6 % MoM liegen, nach +1,7 % im März. Das wäre eine deutliche Abschwächung, die zusammen mit einem heißen CPI das klassische Stagflations-Dilemma für die Fed skizziert: Preise zu hoch, Wachstum zu schwach, um zu handeln.

Auf europäischer Seite: Die Eurozone-Industrieproduktion für März (Mittwoch) wird mit +0,5 % MoM erwartet, nach -0,6 % im Vormonat. Kein Durchbruch, aber zumindest kein weiterer Rückgang. Deutschlands Großhandelspreise sollen im April auf 5,2 % YoY steigen — nach 4,1 % im März. Das ist ein Warnsignal für die Erzeugerpreisinflation, das die EZB nicht ignorieren kann.

Was bedeutet das für Anleger

Renten: Wer auf schnelle EZB-Zinssenkungen gesetzt hat, bekommt diese Woche Gegenargumente geliefert — steigende Großhandelspreise in Deutschland, ein schwacher ZEW, aber kein deflationärer Absturz. Der 30-jährige Bund bei 3,57 % Vorauktionsrendite ist für langfristige Anleger interessant, aber das Timing ist heikel. US-Treasuries: Der 10-Jährige bei 4,28 % Vorwert ist attraktiv, wenn der CPI überrascht und die Fed-Pause verlängert wird — riskant, wenn die Inflation weiter zieht.

Aktien: Ein ZEW bei -29,1 belastet exportorientierte Industriewerte. Banken und Versicherer profitieren tendenziell von einem höheren Zinsumfeld länger. Tech-Werte reagieren empfindlich auf den US-CPI: Kommt er über 3,4 %, dürften Bewertungsmultiples erneut hinterfragt werden.

Währungen: EUR/USD bleibt fragil. Ein schwacher ZEW kombiniert mit einem heißen US-CPI wäre das schlechteste Szenario für den Euro. Umgekehrt: Überraschend guter ZEW plus schwacher US-CPI könnte EUR/USD Richtung 1,10 schieben.

Ausblick auf die Börsenwoche

Montag, 11.05.: Deutsche Bubill-Auktionen (6M, 12M) um 09:30 Uhr. US Existing Home Sales um 14:00 Uhr (Konsens: 4,05 Mio.). Bundesbank-Vizepräsidentin Mauderer spricht um 16:15 Uhr — mögliche Hinweise zur EZB-Haltung. US 3-Year Note Auction um 17:00 Uhr.

Dienstag, 12.05.: Fed Williams spricht früh um 07:15 Uhr. ZEW-Daten für Deutschland und Eurozone um 09:00 Uhr — der Schlüsseltermin für europäische Stimmungsindikatoren. US-CPI um 12:30 Uhr: Das ist der Datenpunkt der Woche. NFIB Business Optimism Index um 10:00 Uhr (Konsens: 96,1). ECB Elderson spricht um 10:40 Uhr. 10-Year Note Auction und Fed Goolsbee Speech am Abend.

Mittwoch, 13.05.: 30-jähriger Bund zur Auktion (09:30 Uhr, Vorwert: 3,57 %). US-PPI um 12:30 Uhr (Gesamt-PPI Konsens: +4,2 % YoY). EZB-Präsidentin Lagarde spricht um 19:15 Uhr — nach CPI und PPI wird jedes Wort gewogen. US 30-Year Bond Auction um 17:00 Uhr.

Donnerstag, 14.05.: US Retail Sales (Konsens: +0,6 % MoM), Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Konsens: 205.000), Import- und Exportpreise. Mehrere Fed-Reden (Schmid, Hammack, Williams, Barr).

Freitag, 15.05.: ECB Economic Bulletin um 08:00 Uhr. NY Empire State Manufacturing Index (Konsens: 8,1). US Industrial Production und Capacity Utilization.

Aktien.live-Notiz
Redaktionelle Einordnung
der aktien.live-Redaktion
Team Sesselmann

Der US-CPI am Dienstag ist der einzige Datenpunkt, der diese Woche wirklich zählt. Kommt er bei 3,4 % oder darüber, bleibt die Fed bis mindestens September in der Warteschleife — und der Markt muss die eingepreisten Zinssenkungen weiter herausschieben. Wir halten Anleihen mit kurzer Duration und meiden lange Laufzeiten auf beiden Seiten des Atlantiks, bis die Inflationsrichtung klarer ist. Beim DAX: Solange der ZEW nicht unter -30 fällt und die Auktionsnachfrage stabil bleibt, kein Grund zur Panik — aber auch kein Grund, Positionen aufzustocken.

Quellen & Fußnoten
  1. Deka Volkswirtschaft Wochenvorschau 08.05.2026
  2. DAX-Analyse KW 20 2026 – Boersenpaar

Sonntags, ein Brief.
Kurz. Klar. Kostenlos.

Jeden Sonntagmorgen in deinem Postfach: die wichtigsten Fundamentalanalysen der Woche, die drei Quartalszahlen, die du nicht verpasst hast, und die Aktien.live-Notiz zum Markt. Kein Spam, jederzeit abbestellbar.

Herausgeber: EIN Sesselmann AG. Hiermit melde ich mich zum wöchentlichen Newsletter an. Sie können sich jederzeit über einen Link am Ende jedes Newsletters abmelden. Hinweis zum Datenschutz