Am 14. Juli 2026 veröffentlicht JPMorgan Chase seine Zahlen für das zweite Quartal — um 7:00 Uhr ET, also noch vor dem New Yorker Handelsstart. Die Bank ist die größte der USA nach Marktkapitalisierung, und ihre Quartalszahlen gelten traditionell als erster Stimmungstest für den gesamten Bankensektor.
Analystenerwartungen
Der Konsens liegt bei einem EPS von 5,44 bis 5,64 USD, wobei die meisten Schätzungen um 5,49 USD clustern. Das wäre ein Plus von rund 10 % gegenüber den 4,96 USD aus dem Vorjahresquartal. Beim Umsatz rechnet der Markt mit etwa 50,4 Mrd. USD. Für das Gesamtjahr 2026 steht die Konsensschätzung bei 22,44 USD EPS. JPMorgan hat die Wall-Street-Schätzungen in den vergangenen vier Quartalen jeweils übertroffen — das setzt die Latte für Q2 entsprechend hoch.
Bewertungskontext
Wells Fargo hat das Kursziel zuletzt auf 360 USD angehoben und hält an einem Overweight-Rating fest. Der Analystenkonsens ist gespalten: Barchart zählt 10 Strong Buy, 2 Moderate Buy und 14 Hold-Ratings; MarketBeat kommt auf 14 Buy und 15 Hold bei einem Kursziel von 342 USD. Das ist kein überschwängliches Bild — die Mehrheit der Analysten sitzt auf der Seitenlinie. Insider haben das in den vergangenen 90 Tagen ähnlich gehalten: null Käufe, zwei Verkäufe.
Was Anleger beachten sollten
Drei Punkte verdienen besondere Aufmerksamkeit. Erstens der Zinsüberschuss: Bei einem Zinsniveau, das sich langsam normalisiert, ist entscheidend, wie sich Einlagenmix und Kreditnachfrage entwickeln. Zweitens das Investment-Banking-Geschäft: TipRanks verweist auf das mögliche SpaceX-IPO als Katalysator für das Fee-Income im zweiten Quartal — sollte das tatsächlich in die Q2-Bücher geflossen sein, könnte es die Ergebnisse spürbar stützen. Drittens die Risikovorsorge: Der Markt achtet darauf, ob JPMorgan die Rückstellungen für Kreditausfälle erhöht oder stabil hält. Konservatives Provisioning gilt als Signal für Kreditqualität, nicht als Schwäche.
Auf der anderen Seite hat JPMorgan selbst zuletzt einen eher vorsichtigen Makro-Kommentar abgegeben — zur Konjunktur und zum Ölmarkt. Das passt nicht ganz zum konstruktiven Analystenbild und ist ein Widerspruch, den der Markt nach den Zahlen einpreisen muss. Wer auf einen sechsten Beat in Folge wettet, sollte das im Hinterkopf behalten.
