Rund 3,3 Mrd. EUR Auftragsbestand, eine im August bestätigte Jahresprognose und ein frischer Iris²-Milliardenauftrag — und trotzdem fünf Verlusttage in Folge. OHB ist heute das schwächste Papier im SDAX und notiert auf Niveaus wie zuletzt Anfang März.
Ein konkreter neuer Negativimpuls fehlt. Keine Ad-hoc-Meldung, kein Analysten-Downgrade, keine Gewinnwarnung. Was den Kurs drückt, ist eine Kombination aus Gewinnmitnahmen nach dem extremen Anstieg bis zum Mai-Hoch bei rund 688 EUR, branchenweitem Druck auf Raumfahrtwerte und einem verlorenen EU-Satellitenauftrag an einen belgischen Konkurrenten. Letzteres ist keine neue Information, wirkt aber nach.
Das Grundproblem ist struktureller Natur: OHB hat in kurzer Zeit enorm viel Vorschusslorbeeren eingepreist bekommen. Die SDAX-Aufnahme, der Iris²-Deal, die Kapitalerhöhung über 484 Mio. EUR — all das hat den Kurs in Regionen getrieben, in denen die Bewertung wenig Spielraum für Enttäuschungen ließ. Die Halbjahreszahlen waren solide, aber eben nicht überraschend positiv. Das reicht nicht, wenn die Erwartungslatte so hoch liegt.
Hinzu kommt: Die Kapitalerhöhung verwässert bestehende Aktionäre, auch wenn sie strategisch sinnvoll ist — Fertigungskapazitäten und Investitionen in Trägerraketen kosten Geld. Kurzfristig ist das kein Kursargument.
Der nächste Earnings-Termin liegt noch rund 80 Tage entfernt. Pre-Earnings-Positioning spielt heute keine erkennbare Rolle. Was den Kurs kurzfristig stabilisieren könnte, ist eine Beruhigung im gesamten Raumfahrtsektor — oder ein neuer konkreter Auftragsimpuls. Beides ist derzeit nicht in Sicht.
