Wells Fargo hat ein Kursziel von 130 USD und die Einstufung Underweight. JPMorgan steht bei 445 USD und Neutral. GLJ Research nennt 24,86 USD und Sell. Diese Spanne ist kein Zeichen gesunder Analystenvielfalt — sie zeigt, dass niemand wirklich weiß, was Tesla ist: Autohersteller, KI-Plattform oder beides, und zu welchem Preis.
Der Cybercab-Launch Anfang September hat die Frage nicht beantwortet. Die Veranstaltung lieferte keine Angaben zur Produktionsrampe, keine Flottenprojektionen über die rund 45 in Texas registrierten Fahrzeuge hinaus und keinen Zeitplan für einen regulatorischen Rollout. Was folgte, war ein klassisches Sell-the-news-Muster — und der Kurs hat sich seitdem nicht erholt.
Hinzu kommt die NHTSA-Prüfung. Die US-Verkehrssicherheitsbehörde untersucht formal, ob Tesla die rund 1.000 ausgelieferten Cybercabs korrekt zertifiziert hat. Die Fahrzeuge kommen ohne Lenkrad, Pedale und Spiegel — und Tesla hat offenbar keinen Ausnahmeantrag gestellt, bevor die Fahrzeuge kommerziell eingesetzt wurden. Das ist kein Bagatellproblem. Waymo betreibt eine deutlich größere Flotte mit deutlich mehr regulatorischem Vorlauf.
Die fundamentalen Zahlen geben der Bewertung wenig Halt: Operating Margin im zweiten Quartal bei rund 1,4 Prozent, Free Cashflow negativ, Energie-Grossmargen rückläufig. Wer Tesla zu Software-Multiples bewertet, wettet auf Fortschritte bei FSD und Robotaxi, die sich in den Zahlen bislang nicht abbilden.
Der nächste Earnings Call ist für den 28. Oktober angesetzt, Konsens-EPS bei 0,26 USD. Bis dahin dürfte die NHTSA-Prüfung das dominierende Thema bleiben — und die Frage, ob Tesla den regulatorischen Weg für Cybercab schnell genug freimacht, um die eingepreiste Autonomie-Fantasie zu rechtfertigen.
