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Marktbericht
4 min

Zijin mit KGV 13,4 — ein Drittel des Sektors — aber Freeport läuft in vier Wochen doppelt so schnell: Wer kauft hier was?

Zijin Mining kostet beim KGV ein Drittel des Sektor-Medians, Freeport-McMoRan legt in vier Wochen 28,2 % zu — beide im selben Sektor, aber mit völlig unterschiedlicher Logik dahinter.

Zijin mit KGV 13,4 — ein Drittel des Sektors — aber Freeport läuft in vier Wochen doppelt so schnell: Wer kauft hier was?
Foto: Pixabay

Stellen Sie sich vor, Sie kaufen zwei Werkzeugkästen im selben Baumarkt. Einer kostet ein Drittel des anderen, ist aber genauso schwer. Der teure verkauft sich trotzdem schneller — weil er gerade im Schaufenster steht. So ungefähr sieht die Lage im Grundstoffsektor gerade aus.

Was der Makro-Rahmen sagt

Deutschland wächst. Nicht schnell, aber es wächst: Das BIP legte zuletzt um 0,24 % zu, die Industrieproduktion stieg im Jahresvergleich um 25,2 %. Das ist keine Zahl, die ich einfach durchrauschen lasse. Ein Anstieg dieser Größenordnung bedeutet, dass die Fabriken wieder laufen — und laufende Fabriken brauchen Kupfer, Stahl, Zink. Grundstoffe sind das Vorprodukt der Industrie. Wenn die Produktion anzieht, zieht die Nachfrage nach Rohstoffen mit. Die Inflationsrate liegt bei 2,17 % — nah am EZB-Ziel, kein Alarmzeichen. Die Arbeitslosigkeit bei 3,8 % ist stabil. Das Umfeld für zyklische Sektoren wie Grundstoffe ist damit solide, wenn auch nicht euphorisch.

Hinzu kommt das externe Bild: Kupfer erreichte an der LME zuletzt fast 14.370 US-Dollar je Tonne, Gold erhielt Rückenwind durch schwächere US-Konjunkturdaten, und der Ölpreis schwankte stark zwischen rund 82 und 94 US-Dollar je Barrel — getrieben von Geopolitik, nicht von Fundamentaldaten. Das macht den Sektor interessant, aber auch unruhig.

Sektorperformance: Was die Zahlen bedeuten

Der Sektor Grundstoffe zeigt ein Durchschnitts-Momentum von 124,4 % — das ist der mittlere Kursanstieg der enthaltenen Titel über den Betrachtungszeitraum. Die relative Stärke gegenüber dem DAX liegt bei 123,3 Prozentpunkten. Zum Vergleich: Der DAX selbst legte in vier Wochen 3,67 % und in 13 Wochen 5,84 % zu. Grundstoffe laufen dem breiten Markt also deutlich voraus. Das ist kein Zufall — es passt zur Industrieproduktion, zu den Metallpreisen und zur globalen Rohstoffnachfrage. Ich würde das aber nicht als Dauerzustand lesen. Zyklische Sektoren können schnell drehen, wenn Konjunkturdaten enttäuschen oder Geopolitik kippt.

Blue Chips: Zijin und Freeport im Vergleich

Zijin Mining ist einer der größten Bergbaukonzerne Chinas — Kupfer, Gold, Zink, Lithium. Das Unternehmen produziert in über 20 Ländern und profitiert direkt von steigenden Metallpreisen. In vier Wochen legte der Kurs um 8,7 % zu, in 13 Wochen um 24,2 %. Das ist solides Momentum.

Was mich hier wirklich aufhorchen lässt, ist die Bewertung. Das KGV — also wie viele Jahre Gewinn man für den aktuellen Aktienkurs bezahlt — liegt bei 13,4. Der Sektor-Median liegt bei 38,95. Zijin kostet also weniger als ein Drittel dessen, was der Sektor im Schnitt kostet. Das EV/EBITDA — ein Maß dafür, wie teuer ein Unternehmen im Verhältnis zu seinem operativen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen ist — liegt bei 7,3, der Sektor-Median bei 13,0. Auch hier: Zijin ist deutlich günstiger. Der EPS, also der Gewinn je Aktie, liegt bei 6,33.

Warum ist Zijin so günstig? Dafür gibt es Gründe: China-Risiko, regulatorische Unsicherheit, geopolitische Spannungen zwischen China und dem Westen. Das sind keine Kleinigkeiten. Wer Zijin kauft, kauft günstige Fundamentaldaten — und nimmt dafür ein erhöhtes Länderrisiko in Kauf. Das muss jeder für sich abwägen.

Freeport-McMoRan ist der weltgrößte börsennotierte Kupferproduzent, mit Minen in den USA, Peru und Indonesien. Kupfer ist das Metall der Energiewende — Elektroautos, Windräder, Stromleitungen. Freeport sitzt genau dort, wo die Nachfrage langfristig hinzeigt.

In vier Wochen legte Freeport um 28,2 % zu, in 13 Wochen um 25,3 %. Das ist deutlich mehr Tempo als Zijin. Beim KGV liegt Freeport exakt auf dem Sektor-Median von 38,95 — also weder günstig noch teuer, sondern genau im Mittelfeld. Das EV/EBITDA liegt ebenfalls exakt auf dem Sektor-Median von 13,0. Der EPS beträgt 1,75. Freeport ist fair bewertet — und läuft gerade sehr gut. Das Momentum ist real, aber der Bewertungspuffer ist dünn. Wer jetzt einsteigt, zahlt den vollen Preis.

Der Widerspruch zwischen beiden Titeln ist offensichtlich: Zijin ist günstiger bewertet, läuft aber langsamer. Freeport ist teurer, läuft aber schneller. Das ist keine Anomalie — das ist Marktlogik. Der Markt zahlt für Sichtbarkeit, für westliche Regulierung, für ein klares Kupfer-Narrativ. Ob das gerechtfertigt ist, hängt davon ab, wie lange der Kupferpreis oben bleibt.

Nebenwerte: Ehrliche Einschätzung

Montego Resources und Hanstone Gold sind in den Daten mit Marktkapitalisierung von null und einem EV/EBITDA von jeweils unter null ausgewiesen. Ein negatives EV/EBITDA bedeutet, dass das Unternehmen operativ Verluste schreibt — der Nenner ist negativ. Kein Kurs, kein Momentum, keine Gewinnkennzahl. Ich sage das direkt: Diese beiden Titel liefern keine belastbare Datenbasis für eine Einschätzung. Hanstone Gold verlor in vier Wochen 20 %. Das ist ein Warnsignal, kein Einstiegspunkt. Ich lasse beide hier bewusst außen vor — nicht weil ich sie ignoriere, sondern weil Schönreden niemandem hilft.

Sentiment-Signal

Für diesen Analysezeitraum liegen keine Sentiment-Daten vor — weder für die einzelnen Titel noch für den Sektor. Ich kann also nicht sagen, ob der Markt optimistisch oder skeptisch auf die aktuellen Kursbewegungen schaut. Das ist eine Lücke. In einem Sektor, der so stark von Stimmungswechseln abhängt wie Grundstoffe, wäre das ein wichtiger Zusatzindikator. Ich empfehle, die Nachrichtenlage zu Kupfer und Gold selbst im Blick zu behalten — besonders Meldungen zur chinesischen Industrienachfrage und zu OPEC+-Entscheidungen.

Fazit

Der Grundstoffsektor läuft, und das aus nachvollziehbaren Gründen: Industrieproduktion zieht an, Metallpreise sind hoch, das Makroumfeld in Deutschland ist stabil. Freeport-McMoRan zeigt, was Momentum im Kupferbereich gerade bedeutet — aber der Preis dafür ist fair, nicht günstig. Zijin bietet eine deutlich niedrigere Bewertung, verlangt aber Toleranz gegenüber China-Risiken. Mein Rat: Beobachten Sie den Kupferpreis an der LME als Leitindikator. Solange er über 13.000 US-Dollar je Tonne bleibt, hat der Sektor Rückhalt. Fällt er darunter, wird es für beide Titel enger. Der Werkzeugkasten im Schaufenster verkauft sich gut — aber der günstigere im Regal könnte die bessere Wahl sein, wenn man weiß, was man damit bauen will.

Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar.

Einschätzung
Redaktionelle Einordnung
der aktien.live-Redaktion
Team Sesselmann

Der Grundstoffsektor läuft dem DAX mit einer relativen Stärke von 123 Punkten weit davon. Das ist kein Rauschen — Kupfer an der LME bei fast 14.370 US-Dollar je Tonne und Deutschlands Industrieproduktion plus 25,2 % liefern echte Gründe. Freeport-McMoRan spiegelt das mit einem 4-Wochen-Plus von 28,2 % — zur vollen Bewertung. Zijin Mining kostet mit einem KGV von 13,4 weniger als ein Drittel des Sektors; das China-Risiko ist der Preis dafür.

Diese Einschätzung gibt die persönliche Meinung der Redaktion wieder und stellt keine Anlageberatung oder Kauf-/Verkaufsempfehlung dar.

Quellen & Fußnoten
  1. Deutsche Börse News: Keine Sonnenfinsternis für Gold
  2. Wochenrückblick KW 32 2026: Rekorde — Edelmetalle melden sich zurück
  3. XTB: Metalle setzen Aufwärtstrend fort
  4. Reuters: European stocks gain, but inflation worries drive weekly decline
  5. Finanzen.ch: Gold, Öl & Co. in KW 34 — so bewegten sich die Rohstoffe

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