Zscaler gehört zu den teuersten Titeln im Cybersecurity-Segment — und genau das macht jeden stärkeren Handelstag erklärungsbedürftig. Das Forward-KGV liegt je nach Schätzung deutlich über 100, die Aktie hat sich vom 52-Wochen-Tief bei rund 55 USD erholt, notiert aber noch weit unter dem Jahreshoch von über 230 USD. Ein Kursanstieg von rund 9 % an einem einzelnen Handelstag ist bei diesem Bewertungsniveau keine Selbstverständlichkeit.
Konkrete Unternehmensnachrichten, die den heutigen Anstieg erklären würden, liegen nicht vor. Wahrscheinlicher ist eine Kombination aus zwei Faktoren: sektoraler Rückenwind durch den breiteren Cybersecurity-Markt und gezieltes Pre-Earnings-Positioning. Der nächste Earnings Call steht in rund 21 Tagen an — ein Zeitfenster, in dem institutionelle Investoren erfahrungsgemäß Positionen aufbauen oder absichern.
Zscaler hat zuletzt Umsatzwachstum im Bereich von 30–35 % gezeigt, aber der Markt erwartet mehr als solide Topline-Zahlen. Entscheidend wird sein, ob das Unternehmen beim Annual Recurring Revenue (ARR) und bei der operativen Marge Fortschritte zeigt. Die Profitabilität bleibt das strukturelle Fragezeichen: Zscaler ist auf GAAP-Basis noch nicht profitabel, und die Schere zwischen Non-GAAP-Darstellung und tatsächlichem Nettoergebnis ist breit.
Wer heute kauft, wettet im Wesentlichen darauf, dass die Quartalszahlen die hohen Erwartungen erfüllen oder übertreffen. Das ist eine legitime These — aber keine risikoarme. Cybersecurity bleibt strukturell ein Wachstumsmarkt, und Zscalers Zero-Trust-Architektur ist technologisch gut positioniert. Nur: Das weiß der Markt seit Jahren, und die Aktie hat trotzdem mehr als 75 % vom Hoch verloren.
